Den Optimismus retten

Seltsam geschlafen, träume von Zugfahrten ohne richtiges Ziel.

Irgendetwas sollte man am Sonntag anders machen als an anderen Tagen – aber was? Ich versuche es mit Stricken nach dem Frühstück, aber das passt einfach nicht in den Vormittag. Deshalb dann doch wieder normal am PC gearbeitet.

Kleine Runde zum Bäcker, die feindliche Außenwelt verlockt nicht zu weiteren Ausflügen, ich sage ein stationäres Spazierbier in Weitweg ab. Wie dennoch zu Bewegung kommen? Denke seit ein paar Tagen über Yoga nach, heute mal die Matte herausgesucht und bereitgelegt, manchen Ideen muss man sich in ganz kleinen Schritten nähern.

Die Verlängerung des Lockdowns trifft mich unerwartet hart. 14 Tage mehr oder weniger sind im Grunde eh egal, und in ein Lokal wollte ich ohne Impfung ohnehin nicht mehr. Aber trotzdem. Ich weiß auch nicht. Das zum Anlass genommen, mich für die Impfung voranzumelden. Scheint gut zu funktionieren in Wien.

Nachmittags ein bisschen Zeit mit Planung und Organisation verbracht, das gibt mir das Gefühl, effektiv und zu allem bereit zu sein, obwohl nicht wirklich etwas passiert ist.

Das Bier des Tages

Es war die Faszination des Grauens, die mich beim Bier-Dealer meines Vertrauens zu Stay Puft von Tiny Rebel greifen ließ: „Imperial Honey Glazed Ham Marshmallow Porter“!

Ich dachte an Honig und Marshmallow und zu viel Malz, doch beim Öffnen stieg mir verblüffenderweise der Duft eines über Nacht gesmokten Schinkens in die Nase. Der erste, wegen des Duftes sehr vorsichtige, Schluck brachte eine Erinnerung an Flüssigrauch. Die tiefdunkle Flüssigkeit mit zurückhaltender Kohlensäure fühlt sich im Mund dicht, fast ölig an und hat einen hellen, scharfen Bittergeschmack im Zentrum, an dessen Rändern sich tatsächlich ein schönes (Wald-)Honigaroma entwickelt. Eine Idee von Marshmallow entdecke ich als Nachgeschmack am Gaumen (hätte es ohne den Namen des Bieres wohl Zuckerwatte genannt), während weiter hinten eine dunklere, vertrautere Bitterkeit bleibt. Definitiv kein Bier für alle Tage, aber schön, dieses vielschichtige Gesamtkunstwerk erlebt zu haben!

Zu trinken in einer Hütte, in der man vorher noch nie war, am Abend vor dem Aufbruch zu einer wochenlangen Wandertour, vor dem Appalachian Trail vielleicht, oder, um in Europa zu bleiben, vor der nördlichsten Etappe des E1.

Zu essen gibt es „Brot mit was“, weil mich das frische Brot vom Yugo-Bäcker einfach ziemlich froh macht.

Der schwäbische Tatort ist unerwartet lustig, wird aber von Internetproblemen unterbrochen. Derweil Slipstravaganza angeschlagen; es ist sehr ungewohnt, beim Stricken Anweisungen zu folgen. Ich will dieses Tuch haben und die Gelegenheit nutzen, dabei etwas Neues zu lernen, muss aber noch die innere Stimme muten, die behauptet, ihr fiele zu dieser Wolle etwas Besseres ein.

Dann noch ein Song.

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