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Lyrik

Flaschenpost

/
KONICA MINOLTA DIGITAL CAMERA

komm raus aus dem dunkel,
komm rein ins bunt!
vertrau mir, hier
wohnt es sich gut.

der grauschleier steht dir nicht, und
er macht vorzeitig alt. das
wusste schon momo, lang
vor dem ende. wir
wissen es auch.

keine chance
den zeitfressern, kein
stückweit nachgeben den
abgeschleckten anzugträgern. die
spinnweben haben nur platz, wo sich
nichts bewegt.

siehst du? du siehst. du lebst.
du denkst. du suchst.
das passt dir gut.
es schillert,
es lacht.

vergiss nicht das bett
jenseits der träume
in dem nur
sein darf,
was ist

keine
enttäuschten erwartungen,
keine
verlorenen hoffnungen.

nur

zwei körper, vier hände
im rhythmus der zeit

nackt und glücklich
schutzlos zufrieden

in den wirren der nacht

Abwesenheit

/

Du bist gegangen.

Wind im Kamin, wie
das selbstvergessene Schweben
einer Hammondorgel.

Dein Geruch,
deine Wärme
unter der Decke

sehnsüchtige Erinnerung an deinen
Körper, der eben noch
lustvolle Gegenwart war.

Draußen, die Nacht.
Ist nicht kalt. Sie ist leer.

Lebendige Märzluft unter
verschleiertem Jännermond

Aus einem einzigen Fenster rinnt
geschäftig trunkene Geselligkeit
echot zurück von den leeren Scheiben
gegenüber.

Die Wolken ziehen nach Süden.
Wo wir beide nicht sind.

Du bist gegangen.

Ich habe
nichts gesagt.

Kein Wort.

jenseits von lala-land

/

etwas kommt näher und
etwas bleibt immer weiter weg

stein ohne gewicht.
schwere leere. nur alte
schmerzen. neu ist nichts.

angst kaum mehr. nur stille.
so verdammt abgeklärt sind wir.
bin ich. bis die nacht kommt

der stein schweigt, wo das
feuer gebrüllt hat. manchmal
fühlt er sich
beinah warm an.

der wind in den haaren. die
sonne im gesicht. musik. wie
ein rettungsseil, das sich
immer enger um die
brust schlingt, mit den besten
absichten

natürlich.
immer nur die besten
absichten.

der tod ist vertraut geworden, wie
ein lästiger nachbar
der einfach nicht ausziehen will

die freunde sterben. die sterne auch.
kaum tränen. nur beinah. dann wieder

der griff nach dem glück,
zeitlos und trotzig
jenseits von verstand und
gefühl, beinah geborgen
im alten lala-land .

dort strahlt meine naivität,
als hätte sie
im lotto gewonnen

ich möcht sie zu tode umarmen
wie meinen besten feind.

stattdessen gehen wir
gemeinsam zum friedhof.

da liegt sie nun, die zukunft.

R.I.P.

Western-Gedanke

/

lass ihn doch
in den himmel schauen
wollte ich sagen

aber die hand
war schneller

und meine stimme
war zu blass

Leben nervt

/

immer alles wissen wollen
nervt und
alles wissen sollen
noch viel mehr und
fernsehen nervt und
das radio nervt
noch viel mehr und
kalte füsse nerven
ganz besonders und
lauwarme kartoffelsuppe
nervt unglaublich und
simple sachen machen
nervt, wenn sie nicht
simpel bleiben

und versprechen nerven
und versprecher noch
viel mehr und computer
nerven wenn sie nicht tun
was sie sollen aber oft auch
wenn sie es doch tun und

bildhauer im fernsehen nerven
und ernstnehmen nervt
unerträglich aber nicht
ernst nehmen noch
viel mehr und kalter
wind nervt und lesen
nervt und essen und
trinken und rauchen nervt

und warum immer
das erwartbare tun
das nervt unsäglich
aber spontan sein
ist so erwartbar
das nervt

links nervt und rechts
nervt erst recht und oben
nervt fast genau so
sehr wie unten

und tun nervt und
lassen nervt und
am allermeisten
nervt die
nerverei.

(gedruckt veröffentlicht in: Lose Blätter)

Back in Town

/

…aber warum nur?

die wärme von havanna
noch auf der haut
und den sound
von santiago überall

tiefschlaf im flieger,
diesem wunderwerk der technik
nur 10 stunden zwischen
dort und hier.

warum schauen denn alle
so seltsam wenn meine finger
auf der neuen trommel klopfen
und wenn der sufi seinen
weissen hut zurechtrückt,
oh, sind wir schon daheim?

eigentlich sollten hier
als erstes bilder stehen,
aber irgendwer streikt
und unser gepäck
ist noch in paris.

so what. bald mehr.

erst mal wundern
warum es so still ist
hier

und so kalt

Einfach weg sein, und was bliebe

/

2 halbgemalte Bilder, noch nass
blau, viel blau, grün und schwarz
Bilder, die Gedichte werden wollen
und noch nicht wissen, wie

1 offene Bierdose,
halbvoll (nicht halbleer)

wer immer nach mir sucht, darf –
wenn es noch frisch genug ist –
gerne den Rest trinken

das Radio läuft, FM4
und das Fenster offen,
ein Strahler auf die
unfertigen Malereien,

der Rest des Zimmers
im Halbdämmer

ein paar Blumentöpfe
die wasser brauchen,

bitte gießen, ja?

eine Wand voller Memories:
Fotos und Federn,
Folder und Osterküken,
Tickets und Ansichtskarten,

ein Hut, Cartoons,
Geschenkbänder und
getrocknete Rosen

ein paar Bücher, CD’s

teure Technik, die ich
zu selten benutze

ein Fallschirm – oder,
nein, den nehm ich mit.

im kühlschrank ein paar blätter
wurst, käse, joghurt eine melone
dazu ein brot, nicht mehr ganz frisch

sucht nicht nach mir,
ich finde mich

vielleicht

voll Mond

/

da oben,
am himmel,
etwas ziemlich
rundes.

grinst unverschämt.

lacht,
unverhohlen,
als mein handy
in die ecke fliegt

aus zorn über
den gesprächspartner

dann schaut er
weg, tut harmlos.

man könnte fast meinen
er versucht zu pfeifen.

voller mond,
was machst du
mit mir?

kribbelst in all
meinen poren, sind das
die haare der werwölfin
die wachsen wollen?

und meine zähne
sind auch schon ganz spitz!

meine nachtseele
will frisches, lebendiges blut
jungmänner, jungfrauen – egal!

komm her zu mir
wer immer du bist
wir kosten voneinander
das kostbare

wir küssen, wir
beissen, wir lachen –
was fällt uns denn ein?
unter dem großen runden
ist alles erlaubt:

weil wir einander
gewachsen sind.

Nicht heute

Spiel heute nicht Gitarre
sing mir das Lied des Lebens
in bunten Farben
ohne Musik

Mal heute kein Bild
zeichne die Zeit auf
die wir noch haben
ohne Bleistift
beredt

Schreib heute keinen Text
sprich mir von deinem Sein
flüster mir Oden
auf den Bauch
ohne ein Wort

Sei heute Du
und nimm mein ich
unreflektiert
in deinen Sinn