Auf der Flucht

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Diese Frau, die den Mann umbringt, ich weiß nicht warum, irgendwie hat er es verdient, aber es macht mir trotzdem Angst, wie sie auf ihn einprügelt, mehrmals die Couch auf ihn fallen läßt, bis er definitiv tot ist. Wir verpacken ihn in einen großen schwarzen Müllsack, ich will gar nicht, aber irgendwie hat sie mich in der Hand.

Dises Haus mit dem parkartigen Garten, der schwarze Sack mit der Leiche liegt auf dem Komposthaufen, dort kann er natürlich nicht bleiben. Die Party im Garten löst sich auf, wir nehmen das Cabrio, sagt sie, ihr Freund holt es, aber der darf keinesfalls wissen, was in dem Sack ist. Sie zerrt den Sack heran, über die Gartentreppe herunter; was drin ist, will der Typ wissen, ach, der Bauschutt, der im Container keinen Platz mehr hat, sage ich schnell, hoffe, dass der Sack nicht aufreißt und öffne den Kofferraum. Das Cabrio ist rot, der Freund gibt mir den Schlüssel.

Ich überlege fieberhaft, wo entlang unserer Strecke ein Müllcontainer sein könnte, um den Sack loszuwerden, es ist die Autobahn mit ihren Raststätten, es geht durch Dörfer über die Berge rüber an die Küste, wo die vielen Lokale sind, hoffnungslos, überall Leute, nirgends ein Platz, wo man den Sack ungesehen lassen könnte.

Ihr Telefon läutet, jemand will wissen, wo wir bleiben, nun mach doch was, sagt sie zu mir, ist doch nicht meine Leiche, sage ich. Sie grinst erst, tobt dann, irgendetwas muss mir einfallen, um den Sack loszuwerden und sie am besten gleich mit. Ihn die Felsenküste runterzuwerfen wäre eine Option, denke ich laut, dazu müsste er aus dem Sack raus, aber wenn er über die Felsen poltert und im Wasser landet, sieht es vielleicht gar nicht mehr nach Mord aus. Sie findet den Plan genial.

Wir schauen uns geeignete Buchten an, ich sage ihr, sie soll jetzt fahren, damit ich besser schauen kann. Ich habe Angst, dass sie hören kann, was ich denke. Endlich finden wir eine recht einsame Stelle, wir breiten eine Decke aus und dazu ein paar Sachen, damit es nach Picknick ausschaut, wenn doch jemand kommt. Wir zerren den Sack aus dem Kofferraum, öffnen ihn. Weiter an die Klippe, sage ich, sie sollen doch hier keine Rückstände finden. Sie zerrt den Sack an die Klippe, holt die Leiche heraus, rollt sie über die Kante und schaut ihr nach. Ich höre einen, zwei dumpfe Schläge, sie will sich umdrehen, aber ich trete sie kräftig in den Rücken. In Zeitlupe verliert sie das Gleichgewicht, während es unten platscht, weil der erste Körper das Wasser erreicht hat. Sehe sie fallen, schreien, dann nicht mehr. Bleibe stehen, bis beide Körper unter Wasser verschwinden.

Den Sack nehme ich mit, zerreiße ihn, verteile die Fetzen in die dornigen Büsche, wo schon andere, ähnliche Fetzen hängen. Gehe querfeldein in die Berge, über dem Meer geht die Sonne auf. Als ich die Straße erreiche, über die wir an die Küste gefahren sind, rufe ich ihren Freund an. Sie hat mich einfach aus dem Wagen geworfen, sage ich ihm, nur weil ihr meine Musik nicht gefallen hat. Ich hätte sie ja abgedreht, aber sie wollte nichts mehr von mir sehen und hören. Genau so ist sie, seufzt ihr Freund.

Er kommt mit dem Jeep, um mich abzuholen. Aber wo ist sie dann hingefahren, fragt er, bei ihrer Familie ist sie auch nicht angekommen. Keine Ahnung, sage ich, ich habe nur die Rücklichter verschwinden gesehen. Dann werden wir wohl eine Weile nichts von ihr hören, sagt er traurig. Das hat sie schon lange nicht mehr gemacht.

Im Garten stehen noch die Tische von der Party. Leere und halbleere Flaschen, Teller und Gläser. Ich nehme ein Brötchen und setze mich in die Hollywoodschaukel. Der Garten sieht ungewohnt freundlich aus, ohne sie.

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