Schon wieder Vollmond?

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Es ist ein vierstöckiges Holzhaus, etwas vernachlässigt; Karibikarchitektur. Um jedes Stockwerk läuft ein durchgehender Balkon. Ganz oben sitzt eine Blogger-Freundin und liest mir vom Bildschirm einen Satz vor. Es ist ein wunderbarer Satz, er leuchtet golden [beim Aufwachen wusste ich ihn noch]. Wir trinken Kaffee und reden, draußen geht ein staubig-heißer Somemrtag in den Abend über. Irgendwann muss ich gehen, es ist fast dunkel. Draußen am Balkon trifft mich plötzlich etwas Hartes in der Magengegend, ich stolpere, das Balkongeländer splittert. Im Fallen frage ich mich, ob ich geschlagen wurde oder irgendwo dagegengelaufen bin. Es gelingt mir, einen der Stützpfeiler zu erwischen. Ich rutsche daran hinunter, zerstöre noch ein Stück Geländer in dem Fall. Unten richte ich mich auf, shaken, aber nicht zerstört. Putze mir Staub und Holzsplitter von der Kleidung und gehe heim, zwei Häuser weiter. Die Häuser sehen sich alle sehr ähnlich.

Durch mein weites, offenes Wohnzimmer weht der Wind. Ich sehe eine Nachricht am Computer; die Freundin von vorhin, sie hat einen Schrei gehört, ob mir etwas passiert sei? Mir ist nicht bewusst, dass ich geschrien habe. Falls mich jemand geschubst hat, sollte sie das wissen, wer weiß, wer sich da herumtreibt. Ich fange an zu tippen, da höre ich Fahrzeuge aus dem Tal. Schnell nehme ich den Autoschlüssel und laufe zum Bus, der steht an einer unübersichtlichen Stelle am Berghang und ich will unbedingt die Scheinwerfer einschalten, damit ihn die Neuankömmlinge nicht übersehen und vielleicht gar ins Tal hinunterschieben.

Ich laufe und sehe drei Fahrzeuge die Serpentinen heraufrasen, erreiche den Bus gerade noch, steige ein und drehe die Scheinwerfer auf, da rast schon der erste Wagen vorbei. Der Fahrer streckt den Kopf aus dem Fenster und singt lauthals, er ist betrunken. Die anderen hinterher, sie schleudern um die Kurve ins Dorf, es ist ein Lärm und ein Gebrüll, einer prallt gegen das Haus, von dem ich gefallen bin. Verdammt, denke ich, da kann ich ja auch morgen keine Spuren mehr finden, was genau passiert ist.

Ein kleiner weißer Hund hängt sich an meine Fersen; ich gehe zum Dorfplatz, wo die Autos der Raser stehen. Sie haben die Tür vom Gasthaus aufgebrochen, das heute eigentlich geschlossen hat, das eigentlich schon lange geschlossen hat, sie haben sich Wein geholt und gröhlen und johlen. Es sind Deutsche, ganz schlimme Deutsche. Ich stehe im Schutz einer Hauswand und frage mich, was man denn gegen solche Leute tun kann. Nichts, sagt der Dorfpolizist, der plötzlich neben mir steht, die werden schon von selbst wieder verschwinden, sagt er und zuckt die Schultern, ich lege mich doch nicht mit Wahnsinnigen an. Er verschwindet wieder in der Dunkelheit.

Die ungebetenen Gäste haben mitten auf dem Platz ein altes Ölfass angezündet, die Flammen lodern hoch. Hoffentlich fangen die Gebäude nicht Feuer, denke ich, und dann erkenne ich einen von ihnen. Es ist H.  Da gehe ich hin und frage ihn, was das Ganze soll, ausgerechnet er, der mir damals so ausführlich erklärt hat, was man wo und wann zu tun und zu lassen hat, um niemanden zu beleidigen zu verletzen. Er lacht und hält mir einen Vortrag, dass irgendwann Schluss sein muss mit der ganzen Rücksicht, man würde ja sein ganzes Leben versäumen, wenn man immer nur Rücksicht nimmt, nicht wahr, er spricht sehr laut und schaut dabei an mir vorbei. Ich drehe mich um und gehe. Bevor ich in mein Haus gehe, schaue ich zurück: er hat sich vors Feuer gehockt, es sieht aus, als ob er weint.

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