Das letzte Abendmahl

Entstanden im Rahmen der Dienstagsschreiber*innen. Quasi ein schneller, weitgehend unreflektierter Text zu einem vorgegebenen Thema / Titel ohne späteres Editieren.
30 Minuten Schreibzeit.

Wasser in den Topf, das Rindfleisch dazu. Etwas Salz, Karotten schälen und kleinschneiden, gelbe Rüben auch, den Sellerie, Pfeffer, etwas Suppenwürze, Petersilie.

Nicht zu schnell, nicht zu langsam, die Hände wissen selbst, was sie tun. Der Kopf bleibt frei. Auf die Uhr schauen, wenn das Wasser kocht, ab jetzt eine Stunde.

Sie geht ins Schlafzimmer, holt den Koffer, den großen, packt ein, ohne nachzudenken. Gewand, Handy, Reisepass, Schreibheft, das offene Buch vom Nachtkästchen.

Draußen geht die Wohnungstür. Er ruft nicht nach ihr.

Als sie ins Bad geht, sitzt er im Zimmer, der Fernseher läuft.

“Riecht gut” sagt er abwesend. Sie antwortet nicht. Ihre Rindsuppe hatte er wirklich geliebt.

Shampoo, Bürste, ein paar Cremen, das Lieblingsparfum.

Der Koffer lässt sich leicht schließen, viel leichter als beim letzten Urlaub. Aus einer Seitentasche rieselt etwas Adriasand. 

Noch eine halbe Stunde bis zur Suppe.

Sie geht ins Wohnzimmer, setzt sich auch. „Wie war dein Tag?“ fragt sie. Er dreht überrascht den Kopf.  „Wie immer“, sagt er, „Büro, Stress, der Chef mischt sich immer dann ein, wenn er gar nichts versteht.“

„Du warst nicht im Büro heute Nachmittag“, sagt sie.

Er sagt nichts, schaut sie an, schaut zu Boden. Dann nimmt er die Fernbedienung und dreht lauter. „Die Nachrichten fangen an“, sagt er.

Sie schaut nicht auf den Bildschirm, sie schaut ihn an. Sieben Jahre, denkt sie. Sieben Jahre. Und jetzt diese… und jetzt?

Sie steht auf, als der Sport anfängt. Geht in die Küche, prüft die Suppe. Das Fleisch ist durch. Sie gibt eine, dann noch eine Handvoll Suppennudeln dazu. Deckt routiniert den Tisch. Das gute Geschirr heute. Die schönen Servietten. Schneidet das Fleisch auf, gibt es vorab in die Teller. Stellt den Suppentopf auf den Untersetzer. 

Essen ist fertig, ruft sie. Er kommt sofort.  Sie essen schweigend, bis er sich eine zweite Portion nimmt.

Sie legt den Löffel weg. „Warum ausgerechnet mit ihr? Fragt sie. Hättest du dir nicht wenigstens eine fesche suchen können? Eine junge? Eine, bei der ich verstehen kann, warum du mich betrügst?“ Sie wundert sich, warum ihre Stimme so ruhig bleibt.

Er seufzt nur, schüttelt leicht den Kopf. Schaut sie nicht an. Sie wartet, lange. Dann steht sie auf. Holt den Koffer aus dem Schlafzimmer. 

Die Rollen viel zu laut auf dem Holzboden. Er steht fragend in der Küchentür. „Wohin gehst du?“

„Weg.“

Sie wartet nicht auf eine Antwort, und er sagt auch nichts. Die Wohnungstür schließt sich mit einem satten Ton hinter ihr.

Der hallt noch lange nach im leeren Stiegenhaus.

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