Brot, Tod, Boot

Diese Tage zwischen den Tagen. Beim Aufwachen zwischen Feiertag und Wochenende erst einmal intensiv darüber nachdenken, was heute für ein Tag ist. Freitag. Es gäbe das eine oder andere zu erledigen, aber irgendwie passt alles nicht und ich gebe auf, bevor ich angefangen habe. Hole mir ein halbes Henderl zum Brunch, schiebe danach schriftliche Vergangenheiten hin und her, breche dann anstatt zu arbeiten wieder auf und eiere trotz der Blase an meinem Fuß zum Grätzl-Greissler, um ein gutes Bäcker-Brot zu ergattern, irgendwie bin ich da mittlerweile verwöhnt. Das Kasses-Nussbrot ist verdammt teuer, aber es schmeckt. Das mehr ausgegebene Geld kann man beim Belag wieder einsparen, Butter reicht völlig.

Es ist schlagartig warm geworden. Schön, aber langsame Übergänge sind meiner Befindlichkeit zuträglicher.


Friederike Mayröcker ist tot, und ich wundere mich ein bisschen über all die Nachrufe, die hier und da den einen oder anderen Satz zitieren. So sehr ich auch den halben Tag darüber nachdenke: Alle zitierenswerten Sätze von ihr würden beim Zitieren verlieren, weil sie ohne diesen Kontext, dass alles mit allem zusammenhängt, zwar immer noch gute Sätze sind, aber nur mehr halb so viel Friederike Mayröcker.

Ich habe sie immer wieder gesehen, hier im Grätzl, in letzter Zeit begleitet von einer wohlwollenden Helferin. Habe schämenswert lange gebraucht, um zu erkennen, wer die schmale Dame in Schwarz mit dem Rollator ist. Danach saßen wir einmal zwei Tische entfernt im Beisl am Eck. Ich lächelte hinüber und habe, glaube ich, ein Lächeln zurückbekommen; das Bedürfnis, sie anzusprechen, hatte ich nicht.

Hatte überhaupt nie das Bedürfnis, meinen Vorbildern oder Kunstschwärmereien näherzukommen. „Was würdest du für ein Backstageticket für Bob Dylan geben?“ hat einmal einer gefragt und verstand gar nichts mehr, als ich antwortete: „Nichts.“ Diese Nähen bestehen für mich aber in der Kunst selbst, es wäre ein Verlust, sie durch ein immer unzulängliches Gespräch zu beschmutzen.


Eine zurecht fast vergessene Bekanntschaft ruft an; man plane, ein Segelboot in Kroatien zu erwerben, zu zwölft, entsprechend würde man dann die Nutzungszeit aufteilen. Zwei Interessenten fehlen noch. Ob ich nicht…? Höflich erkläre ich, wegen Umzugs kein Geld übrig zu haben, und ärgere mich dann, nicht die Wahrheit gesagt zu haben: „Nicht mit dir, nicht mit euch, nicht mit irgendjemandem aus eurem Umfeld.“


Zwinge mich zum Nachrichtenschauen, man muss ja am Puls der Zeit bleiben. Wobei unklar bleibt, was mir fehlte, hätte ich keine gesehen.

Dann ein neues Strickprojekt, endlich die richtige Idee, um dieses viel zu gelbe Gelb in etwas Schönes zu framen (siehe Beitragsbild). Dazu wieder einen Gotlandkrimi. Vor dem offenen Fenster Stadtleben, spätabends nach 11 spielt jemand live eine zart sprechende Gitarre.

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