Wasser, Bachmannpreis und Splitter

Was für ein Glück, in einer Stadt mit gutem Wasser zu leben, denke ich. Frisch kühl geduscht, mit dem ersten kalten Glas Wasser des Tages intus, die Blumen sind gegossen, eine Tasse Kaffee vor mir, die Waschmaschine wäscht. Es sind die Tage, an denen ich wasche, was ich sonst selten wasche: Die Fleckerlteppiche, die Überdecke, den Kuschelelch. Die trocknende Wäsche macht dann das Mikroklima deutlich angenehmer. Heiß bleibt es trotzdem, drinnen wie draußen, aber das ist OK.

Nach dem ersten Kaffee folgt die Klagenfurter Preisverleihung. Meine zwei Lieblingstexte haben es nicht einmal auf die Shortlist geschafft, die Shortlist nenne ich auf Twitter „literaturbetriebskompatibel“.

Wobei, der Bachmannpreis für Ebrahimi ist eh super, die meisten anderen Preise auch OK, nur wie der unsägliche Text von Kaleyta unter die Preisträger gekommen ist, will sich mir nicht erschließen.

Nachmittags recht gut gearbeitet, auch wenn die Kalte-Duschen-Ratio nicht unter 1 pro Stunde fällt.

Abends gerade überlegt, was ich essen soll, als eine „Too Good To Go„-Mail in meinem Postfach klingelt. Ein Anlass, das endlich mal anzutesten. Ich bestelle mein Sackerl und mache mich auf den Weg, mäandere ein wenig durch die glühendheiße Gegend. Man könnte ein Eis essen, denke ich und lasse es, man könnte einen Kaffee in einem der Fussballgärtchen trinken, in denen Italien führt und die Türkei sich vergeblich gegen die Schweiz wehrt. Auch das lasse ich. Ich hole mein Mystery-Sackerl ab und will dann eh nur mehr heim zum geliebten Ventilator.

Das Sackerl vom Viva-Shop enthält: Eine Extrawurstsemmel mit Gurkerl, ein vorverpacktes Thunfisch-Oliven-Sandwich (das von Wojnar ist und sich als deutlich besser als die staubtrockenen Varianten im Zug erweist), eine Semmel, ein gefülltes Croissant, ein normales Croissant und – von allem Obst dieser Welt, ausgerechnet – eine Birne. Good Value für 3,99 im Wochenendshop. Aber diese Birne. Sie ist übrigens keineswegs in einem knapp-vor-entsorgung-Zustand, war also wohl eine gutgemeinte Draufgabe. Die muss morgen ins Joghurt, denke ich, sonst hätte ich ja das App-Konzept unterlaufen. Ich hasse Birnen.

Vorerst aber jausne ich zufrieden Extrawurstsemmerl und Thunfischsandwich und arbeite dann noch ein bisschen weiter. Als ich mit dem Output des Tages zufrieden bin, bleibt mir etwas mehr als ein Stündchen Zeit, um mich mit Strickzeug ins nordschwedische Haparanda zurückzuziehen. Die Sonntagsdiskussion mit Kickl spare ich mir; im übrigen generell eine sehr seltsame Runde, die da im Zentrum über Flüchtlingspolitik diskutiert, man hätte ruhig mehr Leute einladen können, die etwas vom Thema verstehen.

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