Nach einem kurzen Aufatmer mit knappen 10 Grad ist es wieder ordentlich kalt geworden. Morgens bleibt etwas mehr Zeit als eigentlich ausgemacht, und ich betrachte seufzend meine Sommerkleider, bervor ich wieder in die warme Jean mit halbelegantem Oberteil schlüpfe. Ein Dienstreise nach Linz, ausnahmsweise mit dem Auto. Es ist… OK?

Der Autofahrer kennt meine Brummi-Phobie und macht weite Bogen um große Autos, wenngleich er, angekündigt, schneller fährt als sonst üblich. Derweil scheint eine verführerische Sonne auf die dennoch eiskalte Gegend, ein blauer Himmel mit leichten Wölkchen weckt Frühlingsgedanken, auch wenn noch reichlich Schnee auf den Hügeln liegt.
Es ist ein schönes Land, sage ich unterwegs mehrfach. Ganz landschaftlich meine ich das und versuche zu fotografieren, aber die schönsten Fotos werden von unvermutet auftauchenden Bäumen und hinterhältig entgegenkommenden Lastwagen verhindert.

Drei der vier Plastik-Kühe auf dem Hügel sind umgefallen – ist das ein Zeichen? Und wenn ja, wofür? Seit vielen Jahren, möglicherweise seit Jahrzehnten, standen die da, ein vergnüglicher Gruß an der Autobahn irgendwo zwischen St. Pölten und Linz, jede*r kannte die, wenn man sie einmal erwähnte – und jetzt steht nur noch eine, drei sind umgekippt. Das kann schon mal passieren, aber irritierend ist es doch.
Linz bleibt sich ähnlich, der dienstliche Termin gut. Der Parkplatz-Mangel führt uns in eine Parkgarage, der Weg von dort zum Zielort zu einem halbwegs künstlerischen Anblick.

Auf dem Rückweg zum Auto Spaziergangs-FOMO, die paar Schritte durch die Fußgängerzone bis zur Tramway zum Bahnhof wären normalerweise ein Stückerl Tagesfreizeit, aber andererseits ist ja die gewohnt hoch- und tiefwertige Kommunikation mit dem Autofahrer auch nicht zu verachten.

Die immer noch blätterleeren Bäume und Wälder wirken irgendwie dystopisch, finde ich. Der Mitfahrer findet das aber nicht.
Später lese ich bei Frau Kaltmamsell 1 den treffenden Satz:
Wenn man erstmal akzeptiert, dass dieser Winter nie mehr aufhören wird, geht’s eigentlich.
In Wien an der U-Bahn rausgeworfen, beschließe ich, den Spaziergang in der Meidlinger Hauptstraße nachzuholen. Ich brauch zwar nix und will auch nix, aber das Schaufensterbummeln freut mich trotzdem ab und zu. Das bringt mir einen wunderbar wundersamen Moment: Da steht einer, mit der Gitarre, und macht Straßenmusik – ganz ohne Verstärker, ohne herumliegende CDs zum Verkaufen, ohne Pappendeckelschild mit Social-Media-Adressen – er steht einfach da und spielt Gitarre und singt. Und das ganz großartig, mit einer Stimme irgendwo zwischen Joe Cocker und Lucky Jim und virtuoser Gitarrenbehrrschung. Wäre es nur ein Haucherl wärmer gewesen, wäre ich länger geblieben als nur 2 Songs lang, aber… ach.
- …deren Wienreise ich wieder einmal erst im Nachhinein mitgekriegt habe, schade eigentlich… ↩︎