To boldly go…

Zwar wollte ich mir die zweite Season von Picard erst anschauen, wenn es mehr als nur eine Folge gibt, und zudem sollte dieser Vormittag ein produktiver sein. Aber nach dem Verlust meines Lieblingshäferls wegen zu gut eingecremter Hände und einem wenig erfreulichen Telefongespräch hatte ich die Lust auf Arbeit verloren. Ich zog also die Vorhänge zu und mich in mein Kuschelkino zurück. Der Captain wartete schon. Die erste Folge war finster, aber dennoch inhaltlich bunt und spannend.

Dazu kleine Gimmicks für langjährige Trekkies, die aber dezent eingesetzt werden und die Story nicht beeinträchtigen. Eine Woche scheint sehr lang bis zur nächsten Folge. Seltsam, dass das früher ganz normal war.

Der Unterschied der klassischen Serien zu den aktuellen (Picard und Discovery) ist ja primär, dass die ersteren immer von dem Gefühl durchdrungen waren, dass alles machbar ist und fast alles gut werden kann, wenn man nur seinen Kopf benutzt und dabei „gut“ bleibt. Die Protagonisten der aktuellen Serien sind dagegen vom Leben und vom Universum genau so gebeutelt wie wir Zuschauer. Ich hätte momentan gar nichts gegen ein bisschen heilen Weltraum, aber man muss nehmen, was man kriegen kann.

Eine andere Sache, die mir nicht nur bei den Star-Trek-Geschichten im Kopf herumgeht, ist die Frage, ob ein Handlungsbogen wirklich immer über die ganze Season gehen muss. Einerseits lassen sich so natürlich komplexere Geschichten darstellen, andererseits werden die großen Zusammenhänge viel vorhersehbarer, und ich vermisse die kleinen Story-in-sich-Folgen, die manchmal völlig überraschende Inhalte und absurde Wendungen hatten.


Aber genug ferngesehen. Schnell erst die Wohnung und dann mich saubermachen, schon ist es Zeit für einen Ausflug. Das Wetter zeigt sich wenig kooperativ, und dann sagt auch noch die Wanderbegleitung ab, als ich schon unterwegs bin. Ein Mini-Treffen steht dennoch an, etwas Wolle will die Besitzerin wechseln.

Als ich auf der Floridsdorfer Brücke aus der Straßenbahn steige, fängt glatt noch ein grindiges Schneegrieseln an. Die Wollübergabe immerhin verläuft komplikationslos und bringt angenehmes Geplauder und neben dem Ausgemachten noch zwei Biere für die Verkostungs-Sammlung. Sehr aufmerksam, nochmals danke an knitandshine!

Angesichts des ebenso greulichen wie gräulichen Wetters überlege ich, nach ein paar Schritten gleich wieder in die U6 zu steigen, aber der Niederschlag hat aufgehört, und ganz so kalt ist es auch nicht mehr, sobald man in Bewegung ist. Ich marschiere also wie geplant Inselabwärts Richtung U1.

Die Anblicke bleiben unbunt.

Ich erinnere mich, wie weit mir der Weg von der Floridsdorfer Brücke bis zur Reichsbrücke vorkam, als ich frisch in Wien war. Obwohl ich damals viel jünger und das Gehen durchaus auch gewohnt war. Heute fühlt sich der Weg an wie „ein paar Schritte“. Vielleicht ist es einfach die große optische Weite gewesen, die mir damals nicht vertraut war.

Kurz vor der Reichsbrücke denke ich, dass jetzt ein Kaffee nett wäre, dass aber die Lokale wohl noch nicht offen haben. Wie hingezaubert dann plötzlich Musik, und oben am Damm steht einer mit seinem Getränkewagen, unbeeindruckt von Wind und Wetter. „Das ist aber eindeutig das falsche Wetter für Bier!“ sage ich zu ihm. „Dann vielleicht ein Kaffee?“ fragt er hoffnungsfroh. Magic indeed! denke ich und schlage zu.

Der Cappuccino ist definitiv nicht der beste, den ich je getrunken habe, aber es ist Kaffee. Aus der Boombox des Getränkeverkäufers strömt Meat Loaf. Ich setze mich auf ein Bankerl und schaue hinunter auf die Donau, auf die Schwäne, hinüber Richtung UNO-City, die längst nicht mehr die höchste Erhebung in der Gegend ist, wie sie es früher war. Radfahrer*innen, Jogger*innen, Spaziergänger*innen. Vereinzelt aber doch. Wie gut und normal das Leben sein kann, während keine 500 Kilometer entfernt Krieg ist, ein Krieg, mit dem so keine*r gerechnet hat. Es ist gerade schwer zu begreifen.

An der U-Bahn hätte ich durchaus noch Lust auf weitere Schritte gehabt, doch so ein alleiniger Spaziergang lässt den Kopf ja auch daran denken, was nicht noch alles getan und erledigt werden sollte, und so steige ich halt in den Silberwurm. An der Umsteigestelle lässt allerdings die Straßenbahn auf sich warten. und ich nutze die Zeit, um gutes Bäckerbrot zu besorgen, dann fällt mir das fehlende Häferl wieder ein und ich mache einen Abstecher zum Hannibals. Ein neues Häferl und eine wunderbar duftende Zitronenseife hüpfen in meinen Rucksack.

Mit Brot, Bier und Seife im Rucksack könnte man auch ein Abenteuer beginnen, denke ich, aber dann kommt die Straßenbahn doch. Das neue Häferl wird zu Hause gleich eingeweiht.

Ebenfalls im Bild: Wie ich beinhart ein neues Strickprojekt anfange, obwohl ich eh schon drei unvollendete herumliegen habe, einfach weil mir danach zumute ist.

Zum Abendessen gibt es Pizza und wenig appetitanregende Nachrichten. Dann noch ein wenig Realitätsflucht in ferne Universen, nicht zu lang, das heute Liegengebliebene will morgen erledigt werden.

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