Spuren finden

6. April 2024

Es gibt wenige Anblicke, die so klar und enthusiastisch „Sommer!“ rufen, wie ein roter Sonnenschirm auf einem Balkon, notiere ich innerlich und nebenbei zu diesem Foto, das auf dem Weg zum Einkaufen entsteht. Natürlich ist es seltsam, am 6. April „Sommer!“ zu rufen, aber dennoch wäre es schön, dieses Wetter zu genießen, wer weiß schon, vielleicht verregnet es den Juli und verhagelt den August, und dann würde man sich wünschen, diese Tage im April genossen zu haben. So gut ich kann genieße ich eh, auf zu erledigenden Wegen und bei der Arbeit vor dem offenen Fenster.

Amselchen brütet vor sich hin, und als eine Nachbarin ihre zwei wunderhübschen schwarzen Katzen im Innenhof spazieren führt, mache ich sie auf das Nest aufmerksam. Sie kennt es eh und geht mit ihren Miezen nur gemeinsam spazieren, sagt sie, aber es gibt noch andere Katzen im Haus, und wer weiß. Eine kenne ich, ein weißscheckiges Pummelchen, das auch gegen den müdesten Vogel wohl keine Chance hätte. Der rote Kater, von dem die Innenhofbesucherin noch erzählt, ist mir aber noch nie untergekommen.

Changiere zwischen dem Haushalt, der Zuwendung dringend nötig hat, und Bildschirmarbeit, die ebenfalls laut nach Aufmerksamkeit schreit. Bin dabei gleichzeitig frühlingszufrieden und etwas unrund ungeduldig, weil ich so viel anderes auch gerne täte. Immerhin das ist wieder wie früher; ich hatte dieses eigenartige Gefühl auch irgendwie vermisst.

Ein letztes Tagesstündchen bleibt am Ende noch für das Strickprojekt. Nach zwei selbst ausgedachten Projekten habe ich wieder zu einem vorgegebenen Muster gegriffen, und das macht mir das Stricken trotz frühlingsgrüner wunderweicher Wolle ein bisschen zwider. Ich frage mich bei jedem Abschnitt, ob man das nicht auch anders lösen könnte. Das spricht aber wohl nicht gegen das Muster, das bin einfach ich.

4 Comments

    • Hierzu möchte ich Karl Valentin zitieren: „Ich freue mich, wenn es regnet, denn wenn ich mich nicht freue, regnet es auch“.

      Wer heute noch den Klimawandel leugnet, dem ist nicht mehr zu helfen. Wer nicht alles tut, was in seiner Macht steht, um dem Klimawandel Einhalt zu gebieten ist ein verantwortungsloses Wesen. Wer allerdings daneben nicht genießt, was immer ihm oder ihr gut tut, ist arm dran und schwerst zu bedauern.

  1. Wer zum Zeitpunkt des Unfalls am Deck der Titanic tanzte hatte gute Chancen zu überleben. Ganz im Gegensatz zu all denen auf den billigen Plätzen im Monsterbauch des Schiffes. Ergo: Gut getanzt ist halb gewonnen.

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