4. März 2026

So oder so

So ein Tag ist das also, dachte ich, als ich nach nicht ganz 6 Stunden Schlaf morgens um halb 8 am Bahnhof vor der wegen Umbau geschlossenen Bäckereifiliale stand, nachdem ich den Kaffeekauf bei der anderen wegen langer Schlangen verworfen hatte, die sich wohl deshalb gebildet hatten, weil die zweite Filiale eben nicht geöffnet hatte. Neben der geschlossenen Bäckerei die Rolltreppe nach oben, außer Betrieb, die den raschen Aufstieg zur dritten Bäckerei verhinderte. Natürlich hätte ich auch die Treppe nehmen können, aber die liegt ganz woanders, ich hätte also durch den halben Bahnhof zur Treppe, dann rauf, und dann um den halben Bahnhof herum gehen müssen. Dazu waren mir die verbleibenden 9 Restminuten zu knapp. So ein Tag ist das also, dachte ich, als ich mich ohne Kaffee zum Bahnsteig schleppte. Es wurde eine Verspätung von 4 Minuten angezeigt („das holt er unterwegs auf“, dachte ich), die wurde zu 10 Minuten („naja…“), zu 14 Minuten („das wird knapp“), zu 21 Minuten („vergiss es.“). So ein Tag ist das also, dachte ich.

Als der Zug endlich kam, setzte ich mich zu 3 jungen Menschen, die trotz der Uhrzeit vergnügt UNO spielten. Sie luden mich sogar ein, eine Runde mitzuspielen, aber dafür war es mir deutlich zu früh. So ein Tag ist das also auch, dachte ich. Die Youngsters stiegen in St. Pölten aus, der Zug derweil knirschte ein bisschen in den Kurven und roch nach kokelnder Bremse, während draußen der Nebel vor sich hin nebelte.

So ein Tag ist das also.

Der Anschluss in Linz war längst weg, sogar zum Folgezug galt es, ein ambitioniertes Tempo vorzulegen. Im Regionalzug ein Pensionist, der irgendjemandem am Telefon seine Verdauungsbeschwerden in einer epischen Breite schilderte, die der Odyssee um nichts nachstand. Ein Stückchen weiter ein junger Mann, der seinen Gangsterrap am blechern scheppernden Fon immer lauter drehte. Ich schwankte zwischen Verständnis (niemand, wirklich niemand, wollte noch mehr über die Konsistenz der Verdauungsprodukte des Pensionisten wissen) und Miesmusikgrant.

Zum Glück versuchte ich mich zur Ablenkung an einem Selfie, sodass ich die kräftig verunglückte Frisur bemerkte und korrigieren konnte.

So ein Tag ist das also, dachte ich.

So ein Tag ist das also, mag sich auch der mittelalte Mann mit dem Fahrrad gedacht haben, der in Wels 15cm über dem Boden im Lift feststeckte, während ein ÖBB-Mitarbeiter, mit nichts als einem Schraubenzieher bewaffnet, versuchte, ihn zu befreien.

Ich hatte keine Lust, dem Bus auch noch nachzulaufen, und ging die 10 Minuten zum Veranstaltungsort zu Fuß. Ein Viertelstündchen zu spät, das ging noch. Spannende Themen. Angenehme Menschen.

Die FH in Wels eigentlich ein recht angenehmer Ort. Mit Hof mit Sonnenfleckchen. Die Wissenschaft drinnen praxisnahe und dennoch (deshalb?) weitab vom Tagesgeschehen. Das Draußen zeigte fast schon angenehme Temperaturen. So ein Tag ist das also, dachte ich.

Dann heimwärts, die Sonne müde, aber existent. Vielleicht wird ja auch dieser Winter irgendwann zum Frühling.

Wie man an Dingen derweil konsequent vorbeidenken kann. So ein Tag war das auch.

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