Schmetterlingsgedanken

Die Schritte des Tages gehen Richtung Innenstadt heute. Man spürt die vielen fremden Leben hinter den Fenstern, auf der Straße sind abends nur noch wenige. Am Karlsplatz läutet mir das Fon dazwischen. Lange sitze ich auf den Stufen des geschlossenen Lokals im Park und telefoniere mit einer fremdgewordenen Welt. Die Worte sind leichter als befürchtet, sowohl die gesagten als auch die gehörten. Als ich danach aufstehe, huscht eine Ratte über den Weg. Eine fette, struppige Großstadtratte.

Das wäre ein Haustier für mich, denke ich, nicht eine weiße, streichelweiche Kuschelratte mit rosa Füßen, nein, eine grindige, zerzauste, graue, die kräftig in den Finger beißt, wenn das Futter zu spät kommt.

Die Kärntner Straße hat ein paar Spaziergänger angezogen, die Nebenstraßen sind sehr leer. Ich sollte doch mal wieder die große Kamera mitnehmen, denke ich, als ich die Fon-Linse nicht sauber genug kriege, um die Leere streifenfrei einzufangen. Kreuz und quer und dann ein Stück außenrum am Ring, kaum Menschen unterwegs.

Orient-Musik in ohrenbetäubend aus einem vorbeifahrenden Wagen, das macht mir schlagartig Fernweh. Jetzt über den Strand von Tunis stromern, Sand im Gesicht vom Wind. Durch marokkanische Ebenen im Jeep, wo die Luft über der Straße vor Hitze wabert. Oder auch ganz woanders. Dinge wahrnehmen, die mein Blick noch nie berührt hat. Sprachen hören, die ich nicht oder nur ganz wenig verstehe.

Stattdessen halt doch wieder nur heim.

Die Karlskirche ist in eine Lacke gefallen, die Glocken wummern dennoch kräftig.

Das Bier des Tages

Gedacht war, die Bierentdeckungen weihnachtlich mit dem Maisel Chocolate Bock zu beginnen (das ich eigentlich schon kenne, aber das ist eine andere Geschichte), doch war mir für heute sowohl die Flasche zu groß als auch die Schokolade zu tröstlich.

Dran kam stattdessen „Mind Haze“ von der kalifornischen Brauerei Firestone Walker. Ein wenig Haze im Mind wäre vielleicht gar nicht schlecht, fand ich. Das Bier ist blassgelb und naturtrüb. Es startet mit kräftiger Zitrusnote im Vordergrund, ein frischherber Hopfen kriecht langsam von hinten herein und endet auf dunklem Rauchmalz. Sehr stimmig, bei weiteren Schlucken macht die feinperlige Kohlensäure ein sämig-cremiges Gefühl am Gaumen. Emotionell hätte es heute durchaus etwas bitterer sein dürfen, aber dafür kann das Bier nichts.

Trinken sollte man es auf einer Felsenklippe mit Blick auf den Atlantik, an einem mittelkühlen Tag mit etwas Meerwind.

Danach koche ich Suppe, obwohl mir die neueste gottverdammte Erkenntnis wie Lava im Magen liegt. Das wär dann mal genug Selbsterfahrung fürs erste, thank you very much. Weniger denken, mehr Suppe. Vielleicht wird dann doch irgendwann

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