10. Februar 2026

Morgen-Grauen

Der Mitreisende ist kränklich, und in einem frühmorgendlichen Telefongespräch (vor 8 Uhr 😱) versichere ich ihm, dass ich auch ohne Auto einen Weg auf die Messe finden werde, damit er den Vormittag zur Erholung nutzen kann. 38 Minuten, verspricht Google Maps, und das hätte wohl auch geklappt, hätte ich nicht versucht, gescheiter als die App zu sein. Als nämlich vor dem angezeigten Bus ein anderer mit einem X vor derselben Zahl an der Haltestelle stehenbleibt, denke ich: X = schneller! und frage den Fahrer nur, ob er auch zum Bahnhof fährt. Er bejaht, ich bezahle – und merke erst unterwegs, dass dieser Bus zu einem ganz anderen Bahnhof fährt, von dem gar keine Direktverbindung zur Messe geht. Also aus dem Zug noch einmal umsteigen, in einen anderen Bus mit einem anderen X.

Nunja. 1:20 statt 38 Minuten, not good, not terrible. Nur dass meine Füße beim Warten am Bahnsteig so eiskalt werden, dass ich mich nicht nur über den Winter, den Fahrplan und meine Fehlentscheidung ärgere, sondern gleich über das Leben selbst und seine seltsamen Wege.

Auf den X-Bus zur Messe muss ich nochmals 17 Minuten warten. Zeit genug, sich noch kältere Füße zu holen und über Zeitläufte nachzudenken.

Als vor ~50 Jahren mein Vater auf Dienstreise nach Stuttgart fuhr, hörte sich das an wie die große weite Welt. Heute stehe ich selber da und sehe düsteres Grau, in die Jahre gekommene Industriegebäude und… viel zu lange keinen Bus.

Als endlich einer kommt und ich beim Fahrer ein Ticket bis Flughafen/Messe lösen will, blafft der mich in schönstem Jugo-Deutsch an: „Falsche Bus! Kannst du nicht lesen vorne was drauf steht?“ – Ich steige wieder aus und blaffe zurück: „Das kann man auch freundlicher sagen!“

Erst als der richtige Bus dann kommt, fällt mir auf, dass das ein sehr wienerischer Austausch war.

Der Bus füllt sich von Station zu Station, lauter alte Leute (also merkbar älter als ich). Den Gesprächen ringsum entnehme ich, dass es ein Pensionsiten-Freundeskreis ist, der sich keine Messe entgehen lässt. Kulinarik-Tipps werden ausgetauscht, Enkelfotos bewundert. Als ich endlich die Messe erreiche versöhnt mich ein morgendliches Beef-Tartare-Häppchen endgültig mit dem Tag, die bald danach gereichte Mousse-au-Chocolat-Kostprobe hätte es gar nicht mehr gebraucht.

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