15. April 2026

Mal schnell nach Reims

Ich bin ein bisschen verwundert und fast lebenstraum-nostalgisch, als mir am Weg zum Abflug auffällt, dass es mein erstes Mal in Frankreich außerhalb des großen Flughafens ist. Aber viel Zeit zum Nachträumen bleibt nicht, und viel Kapazität dafür habe ich schlafmangelbedingt auch nicht – der Wecker läutete um kurz nach 4.

Im Flieger ein bisschen Schlaf nachgeholt, der Flughafen CDG ganz anders als ich ihn erinnere. Wohl ein anderes Terminal, dieses hier hat seltsam wurmartige Rolltreppen und versprüht schmuddeligen Steampunk-Charme.

Aber immerhin liebt mich Paris. Oder uns. Wie auch immer.

Danach mit netten Menschen Überland. Es geht in Richtung Champagne, und unterwegs blüht schon der Raps. Überall scheint die Gegend begehenswert.

In Reims wartet ein köstliches Mittagessen. Champagnerbegleitet.

Wenn ich nix falsch verstanden habe, ist der Aperitif Anise hier billiger als alles andere – außer Espresso.

Mit dem Verstehen ist es überhaupt so eine Sache, die Sprache klingt trügerisch vertraut im Ohr, entzieht sich aber, sobald es konkret wird. Ich spüre erst einmal den Klängen nach, erst viel später traue ich mich auch vorsichtig zu antworten. Aber hier sprechen ohnehin alle englisch. Oder deutsch. Oder alles durcheinander.

Dann eine Stadtführung. Unser weiblicher Guide spricht ausgezeichnet Deutsch, ist aber sehr versessen auf historische Details, von denen sich in zwei Stunden nur wenige ausgehen. Besonders die Kathedrale „nur kurz“ abzuhandeln, ist ihr schier unmöglich. Andererseits ist die aber auch beeindruckend – schon beim nur halben Anblick.

Beim ganzen dann umso mehr, und angesichts der geschichtlichen Wirren und architektonischen Besonderheiten verstehe ich schon, dass man sich dabei schwer kurz fassen kann.

Mich beeindruckt zuerst die elegante Höhe (im Bild nur ein Seitenschiff), unter der sich mensch klein fühlt – natürlich ganz im Sinne der Kirche, aber architektonisch makellos.

Dann auch die Entschlossenheit, mit der die Reimser und andere Franzosen das Ding nach jedem Rückschlag wieder aufgebaut haben.

Und schließlich, sehr nachhaltig, beeindrucken mich die Buntglasfenster aus den unterschiedlichsten Epochen vom 13. bis ins 21. Jahrhundert.

Ich hätte doch die große Kamera mitnehmen sollen, dachte ich, aber andererseits – für wirklich durchdachte Fotos wär eh keine Zeit gwesen.

Daneben Klerikales und und eine Metaebene.

Ansonsten hat Reims auch noch eine stilistisch ebenso faszinierende, versöhnliche Art-Deco-Bibliothek

…und andere historisch interessante Gebäude, für die mein Fon-Akku dann dann leider schon zu schwach war.

Danach war ich durchaus froh, ins echte Stadtleben zurückzukehren. Reims hat nämlich auch sehr kontemporär lebendige Ecken, man könnte da durchaus ein paar Tage gemütlich spazierengehen und weiterentdecken.

Rechtzeitig zum gemütlichen Beisammensitzen hole ich meine Powerbank. Die Straße, in der unser Hotel ist, ist wohl die Flanier- und Rumhäng-Meile. Die Gruppe schließt sich beidem mit Vergnügen an.

Nur unwesentlich später ist es Zeit fürs Abendessen. Mir kommt ein legendärer Ausspruch von Herrn Flyingsufi in den Sinn: „Mühsam schleppt man sich von einem Genuss zum anderen.“

Unterwegs noch ein Stück römischer Geschichte. Und dann…


Der nächste Tag gehört den Donuts. Und dem Heimweg.

War ich überhaupt weg?

2 Comments Schreibe einen Kommentar

  1. Gotische Kirchen sind ästhetisch m.E. immer etwas Besonderes. Sie bringen die spirituelle Idee wenn schon nicht auf den Punkt, so doch in die richtige Richtung und auf die angemessene Höhe.

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