Lange Tage

30. Mai 2024

Diese Jahreszeit, wenn man bei Dämmerung irgendwo wegfährt und eine Stunde später immer noch bei Dämmerung irgendwo anders ankommt. Der Bahnhof ist aus Glas und Beton, es ist noch nicht viele Jahre her, dass er ganz anders war. ein paar Schienenstränge vor einem klassischen Bahnhofsgebäude. Da sah man ab und zu den Bahnhofsvorsteher, später die Bahnhofsvhorsteherin, die grüßend die Hand hoben, wenn ein Zug stehen blieb, seltener hinübergingen und ein paar Worte mit Schaffner*in oder Lokführer*in wechselten. Danach kam die Lautsprecherstimme, dann der Umbau. Heute ist nicht mehr klar, ob im Bahnhofsgebäude überhaupt noch jemand ist, außer – selten – der eine oder die andere Wartende im Wartesaal.

Aber die Frösche quaken noch wie früher, denke ich, auch wenn die wartenden Züge auf den Nebengleisen spiegelglänzend sind anstatt leicht oder anständig rostig, wie es der Landschaft angemessen wäre, nicht aber diesem blendend hell beleuchteten Unding moderner Bahnarchitektur.

Davor Gedanken, Gespräche Musik und Seifenblasen. Ein Regenguss vertreibt uns schnell von der Terrasse. Die Vögel lassen sich vom Regen nicht stören, im Gegenteil: Lauter als im kurzen Sonnenfenster zwitschern sie dahin.

Wie soll man diese Landschaft nennen? Sattgrün? Üppig-Grün? Vü zvü grün? – Letzterer Gedanke kommt natürlich nur auf, weil unter dunklen Wolken ein dunkles Gemüt wächst.

Der neue Bahnhof aber, der wird auch von der strahlenden Abendsonne nicht hübscher.

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