Nichts an diesem Sommer ist so geworden, wie ich es haben wollte, und trotzdem bin ich recht zufrieden – und auf jeden Fall sehr entspannt. Vielleicht zu entspannt, denke ich mit Blick auf die ToDo-Liste, aber die läuft nicht weg und wird auch im September noch da sein.
Eigentlich wollte ich heute frühmorgens auf den Viktor-Adler-Markt, doch gestern spätabends erreichte mich ein wolliger Hilferuf: Ein halbes Knäuel nicht mehr lieferbaren Garns, das in meinem Stash reichlich vorhanden ist, würde die Fertigstellung eines Pullovers ermöglichen. Ob ich nicht vielleicht …? Ja, warum nicht1. Ich erhöhte auf ein ganzes, weil ich keine Lust hatte, mit Wollwickler und Waage zu hantieren, und machte einen spätvormittäglichen Treffpunkt in der Nähe des Naschmarkts aus.
Dort in der Gegend könnte ich ja gleich, dachte ich, noch etwas Biernachschub holen, damit die Sommersessions etwas vielfältiger zu Ende gehen, als es die zwei verbliebenen Biere erlauben. Ich holte also drei interessante neue Biere aus der Gumpendorferstraße und war dann am Treffpunkt verblüfft, als die Wollwünscherin ebenfalls drei aus der Tasche zog. Sie hatte sogar in meinem Blog gestöbert, um Duplikate zu vermeiden.

Die Vielfalt ist somit definitiv sichergestellt, der Rucksack allerdings wurde deutlich schwerer als geplant. Ich spazierte weiter zum Naschmarkt, wurde angesichts der Massen von einem Fluchtinstinkt befallen, wollte aber zumindest ein paar Falafel mit heim nehmen. Der Bauernmarkt war überraschenderweise noch nicht ganz weggeräumt, und ich ergatterte noch ein paar Paprika, Suppengemüse, ein stattliches Stück Knoblauchspeck und ein halbes Kasses-Roggenbrot. Hoffnungsfroh warf ich noch ein paar Blicke in Richtung des Pfirsichangebots und stellte fest, dass es noch schlimmer ging: Ein Preisschild verhieß „1,79 /100g“. Niemals, murmelte ich innerlich, niemals würde ich Obst oder Gemüse kaufen, das per 100 Gramm angeschrieben ist – nicht einmal, wenn es das beste seiner Art ist, und auch nicht, wenn der Preis unterm Strich normal wäre. Manches ärgert mich einfach.
Ein Nachmittagsfrühstück im POS sollte mich besänftigen, aber ich musste feststellen: Das Point of Sale ist nicht mehr. Der Garten vom BlueOrange gegenüber war bis zum letzten Platz gefüllt, und die Vollpension nebenan begrüßt neuerdings (?) mit dem Schild „Please wait to be seated“. Nein danke, dachte ich, und mäanderte ein bisschen durch die Gegend. Schließlich entschied ich mich für ein Plätzchen beim Zweitbesten. Cappuccino und Avocadobrot überzeugten, die picksüße Grapefruit-Limo, angeblich hausgemacht, nicht so.


Danach schien der schwere Rucksack auch nicht mehr so schwer, und ich stromerte ein bisschen durch die alte Hood. Neue Graffiti, endgültig zugesperrte Geschäfte, das Mini-Einkaufszentrum sogar komplett leer bis auf den Libro. Stattdessen ist auf der anderen Seite der Wiedner eine neue Trafik gewachsen, auch das hat Seltenheitswert. Bei einer Auslage war ich nicht so ganz sicher, ob es sich um ein Verkaufsobjekt oder um Kunst handelt. Der Stamm-Optiker vertreibt sich den Sommer mit Quietsche-Entchen.



Ein Blick auf den Schrittzähler zeigte 12000, sodass ich guten Gewissens in die Straßenbahn einstieg, anstatt den langweiligen oberen Teil der Wiedner Hauptsraße auch noch abzulatschen.
Daheim Aufräumarbeiten analog und digital bis es Zeit ist für das…
Das Bier des Tages

Das Hide & Seek Heavily Hopped IPA von der rumänischen Brauerei Bereta steigt – anders als der Name vermuten ließe – eher süßhefig in die Nase. Im Antrunk ebenfalls sämig-hefig mit viel nicht-langweiligem Malz. Erst dann zeigt sich der Hopfen, mehr zitrig als bitter, und weich eingebettet. Es ist mit Gerstenmalz und Haferflocken gebraut, und dagegen kommen alle 3 enthaltenen Hopfensorten nicht an. Dennoch ein schönes, rundes Bier, nur der Untertitel „Heavily Hopped“ wird halt geschmacklich nicht recht erfüllt.
Ein nettes Bier für einen altersmilden Spätsommerabend am Flussufer, während auf der anderen Seite die Getreideernte in vollem Gange ist.
Weil es jetzt kein kleines Mitnehm-Strickprojekt mehr gibt, fange ich ein neues solches an.
Das letzte schwedische Hörbuch, Silvervägen von Stina Jackson, hatte mich nur bis zur Hälfte erfreut, ich war froh, als es zu Ende ging. Ich hatte mich ja schon gefragt, ob das Konzept Hörbuch und stricken sich für mich überlebt hat, aber mit Arne Dahls „I cirkelns Mitt“ (dt. „Stummer Schrei“) funktioniert es wieder besser. Also nur die Bücher besser aussuchen.

- Was mich am Rande auch an eine Diskussion letztens im Lieblingsstrickforum erinnerte: Warum denn Menschen es wagen, nach der Käuflichkeit einer Wolle zu fragen, wenn die nicht explizit als „zu verkaufen“ gelistet ist, hatte da jemand gefragt, und ich war verblüfft von den Antworten, die sich weitgehend einig waren, dass so eine Frage eine „übergriffige Dreistigkeit“ wäre. Fragen kann man doch immer? (Natürlich vorausgesetzt, dass man ein Nein als Antwort zu akzeptieren bereit ist.) ↩︎