
Auf dem Weg zum Zug in aller Früh wohlwollend die Sonne gelobt, doch rund um St. Pölten ist der Nebel so dicht, dass man kaum über das andere Gleis drüber sieht. In Oberösterreich ist er etwas dünner, aber nicht sehr.
Beruflich hochinteressanter und nur leicht anstrengender Termin, während ich telefonisch private Probleme schaukle und gleichzeitig versuche, doch noch was zum Redaktionsschluss beizutragen. Läuft, aber am Heimweg bin ich dann doch todmüde. Der Railjet ist mir vor der nase davongefahren, der RJX sollte in einer halben Stunde fahren, sammelt aber Verspätung, dazwischen kommt ein IC, der ein ehemaliger Westbahnzug ist, ungemütlich, aber Hauptsach heim. Derweil ist ein Stückchen östlich von Linz die Sonne wieder herausgekommen.
Ein Stück vor St. Pölten wieder eine amtliche Kontrolle von zivil Gekleideten, sie haben einenVerdächtigen gefunden, der einen spanischen provisorischen Ausweis und eine italienische Aufenthaltsgenehmigung hat, die irgendwie nicht dieselben Daten zeigen. Das erfahre ich, weil sie ausführlich mit der Leitstelle telefonieren. Es läuft alles sehr ruhig ab, man fragt den Verdächtigen, was er in Österreich macht, „Holiday“, sagt er, man erklärt ihm, dass er zur Polizeidienststelle mitkommen muss, bis alles geklärt ist, er stimmt zu, sie steigen gemeinsam aus. Irgendwie stört mich trotzdem, dass ich nirgends von verstärkten Kontrollen gelesen habe, dass die Kontrollierenden so jung sind und, naja, ich weiß nicht.
In Wien ein kurzer Impuls die noch nicht ganz lauwarme, aber doch nicht mehr eiskalte Stadtlandschaft zu erobern, aber der Business-Rucksack ist zu schwer, und zu Hause ruft das Couch-Bett mit Fenster in die Welt. Das hab ich mir nach einer Woche Dauerarbeit echt verdient, zumal die schlimmsten Baustellen erledigt beziehungsweise vertagt sind.
Unfotografiert:
Die alte Frau bei mir ums Eck am Erdgeschossfenster, die mit kritischem Blick dabei zuschaut, wie ihr Mann Schotter vom Gehsteig fegt. Er wirft ab und zu einen fragenden Blick zu ihr.
Im Zug das Pärchen in meinem Alter, ich glaube, sie sprechen kroatisch. Kann aber auch eine benachbarte Sprache gewesen sein. Sie fordert ein Foto, er macht es mit ihrem Handy, sie wirft einen prüfenden Blick darauf und reicht das Handy zurück. Das wiederholt sich fast 100 Kilometer lang. Dazwischen lesen sie Stationsnamen und Ankunftszeiten vom Zugbildschirm vor (die Zahlen versteh ich noch).