Den Horizont erweitern

In den letzten Tagen machte ich mir etwas Sorgen um mich: Ob diese ständige Müdigkeit nicht doch auf eine ansonsten unauffällige Krankheit hindeutet? Die Daten aus der Fitness-App aber sagen, dass meine durchschnittliche Schlafenszeit im Dezember unter 6 Stunden beträgt, damit wäre das wohl auch geklärt. Deshalb heute sehr entschlossen nicht um 7 Uhr aufgestanden, als ich eigentlich hellwach war, und tatsächlich noch 2 Stunden Schlaf ergattert.

Nach etwas Arbeit am Vormittag meldet sich das Bewegungsbedürfnis. Ich gebe es ungern zu, aber mittlerweile schlagen mir die geschlossenen Geschäfte und Lokale auch aufs Gemüt. Nicht, weil ich dringend etwas kaufen oder konsumieren möchte, sondern weil die Möglichkeit fehlt. Es ist schon langsam trist, das alles, ich hoffe, die Impfung kommt auch für meine Nicht-Risiko-Gruppe in halbwegs absehbarer Zeit.

Auf der Flucht vor dieser Tristesse verschlägt es mich endlich wieder einmal an die Donau. Doch auch hier fehlen die Touristenboote am Pier, draußen am Wasser ziehen keine Frachter vorbei. Nur einmal ein Polizeiboot in Langsamfahrt, die Heckwellen klatschen unerwartet kräftig ans Ufer. Der Fluss ungewöhnlich glatt heute. Die Möwen bemühen sich nach Kräften, die Touristen zu ersetzen.

Bei der Reichsbrücke ist der Spielplatz gut von Kindern besucht. Ein Junge läuft rückwärts vor seiner Familie her, und das erinnert mich daran, wie seinerzeit Superman die Erde umkreiste, um die Zeit zurückzudrehen. Vielleicht wär ich bereit für so ein kleines Märchen, denke ich. Die Möwen lachen mich aus.

Weiter stromaufwärts eine ganze Strecke lang nur Pärchen, von frischverliebt turtelnd über gemeinsam schweigend bis hin zu lauthals streitend. Noch ein Stück weiter verdichten sich die Pensionist*innen, einzeln, zu zweit und in kleinen Grüppchen. In Höhe des Millenium-Towers dann verstärktes Teenager-Aufkommen. Dazwischen laufen immer wieder mehr oder weniger keuchende Jogger*innen vorbei.

In Höhe U6 Brücke noch gar keine Lust, diesen Marsch zu beenden, aber weil das Knie ein bisschen zickt, steige ich doch in die Schnellbahn ein. Für heute sollen 14000 Schritte reichen.

Das Bier des Tages

Heute kam das Alpha Brett N° 2 aus dem Wiener Bier-Startup (Selbstdefinition) Brew Age auf den Tisch.

Dem Namen nach hätte ich ein Bier erwartet, das einem den Hopfen wie ein Brett vor den Kopf haut, aber ich hatte die Rechnung ohne die Brettanomyces-Hefen gemacht. Die stehen nämlich klar im Vordergrund und werden durch die klassischen IPA-Aromen beinahe dezent begleitet. Fruchtig, geradezu exotisch, mit perlender Hefe und dem (wie von Brew Age gewohnt) eleganten Hopfen ist dieses Bier eine geschmacksintellektuelle Herausforderung, dessen Vielschichtigkeit nur kleine Schlucke erlaubt.

Zu trinken auf der Vernissage eines weltverdrossenen Graphikers, begleitet von kühlem Live-Jazz.

Zu essen gab es Reste von gestern, zur Abendgestaltung warf ich einen Blick auf die noch unaufgeräumten Ecken der Wohnung, griff dann aber doch lieber zu meinem Strickzeug. Aufräumen lässt sich bei Tageslicht besser. Für den schwedischen Hörbuch-Krimi (der eigentlich ein finnischer ist, den ich auf schwedisch höre, von Leena Lehtolainen) ist mein Kopf zu beschäftigt, ich verliere ständig den Faden. Ich switche stattdessen durch Naturdokumentationen (vor ein paar Jahren waren viel mehr Reisen im Weihnachtsprogramm, fehlt mir gerade, irgendwie).

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