7. Mai 2025

Daheim in fremden Welten

Als ich in den Zug nach Frankfurt stieg, war ich geistig schon vorab erschöpft von der bevorstehenden Messe. Ich hatte nicht genug Zeit gehabt, mich wie gewohnt ausführlich vorzubereiten, neben beruflichen zerrten auch private Themen an meiner Aufmerksamkeit, und die Aussicht von zwei Riesenmessen in nur einem Monat, natürlich neben all den normalen Anforderungen, war nicht besonders prickelnd.

Immerhin konnte ich diesmal guten Gewissens mit dem Zug fahren, das Fliegen ist offenbar teurer geworden, der Bahn-Preis fĂĽhrte zu keinen beruflichen Diskussionen. Sechseinhalb Stunden wurden zu siebeneinhalb, bis zur Grenze war der Zug pĂĽnktlich gewesen, danach sammelte er minutenweise Ăśberzeit. Die Fahrt war sonnig.

Nach etwas Arbeit gönnte ich mir rollende Strickzeit, mit Hörbuch im Ohr. Der ICE blieb durchgehend voll, am Schluss war ich rech froh, aussteigen zu können. Mir fehlte dann sogar die Geduld, den beeindruckenden Frankfurter Hauptbahnhof ohne Autos abzulichten.

Gegen Mitternacht im Hotel, das, besonders aus Sicht des Reisebegleiters, eher ein Fehlgriff. Mir ist sowas ja weitgehend egal, solange es sauber, halbwegs ruhig und gut erreichbar ist.

Am nächsten Tag die Messe. „Ich brauche 10 Minuten, um anzukommen,“ sagte ich zum Begleiter, es dauerte aber dann nicht einmal eine halbe, bis mir der erste zu fotografierende Kontakt ĂĽberden Weg lief. Noch unsortiert, lieĂź ich das Notizbuch auf der Suche nach der Kamera fallen, während ich gleichzeitig ein offenes Schuhband bemerkte. „Kann ich ihnen was abnehmen?“ fragte der Kontakt, – „Höchstens mei pĂĄtscherte Art“, sagte ich, „Na danke, ich hab selber schon 2 linke Händ“, sagte der Kontakt. Ein nebenstehender, hier Einheimischer nahm das zum Anlass, einem jungen Kollegen die Feinheiten der österreichischen Sprache zu erklären.

Frisch sortiert und mit dem ersten Foto im Kasten lieĂź ich mich dann von der Messe verschlucken, zu meiner Ăśberraschung zickten in den folgenden Tagen weder die FĂĽĂźe noch Kreuz oder Schultern, und der Geist schon gar nicht. Diese unerwartete Wendung verblĂĽffte mich auf positive Art und Weise.

Nur die Hoffnung auf Nach-Messe-Arbeit blieb auf der Strecke; hier ein Abendessen, dort eine Standparty, kann man auch nicht auslassen, sonst ist zum Schluss noch jemand beleidigt. Das Wetter dabei durchgehend ungewohnt kĂĽhl, nur einmal in einem Sonnenblick zwischen den Wolken das GefĂĽhl, dass der Sommer doch langsam kommt.

4 Tage, 80298 Schritte, 659 Fotos (von denen anderswo noch Professionelleres zu sehen sein wird) und ungezählte Gespräche später stand ich wieder am Bahnhof. Die Fahrt diesmal mit umsteigen in Hanau, warum hatte ich nicht hinterfragt, ich merkte erst im ICE, dass der ja auch direkt in Frankfurt gehalten hätte.

Die Auslastung des Zuges erlaubte nur einen Teil der Arbeit, die ich unterwegs gerne machen wollte, der Rest hätte mehr Ausbreitung benötigt, als Platz zur Verfügung stand. Ich griff also ohne schlechtes Gewissen bereits vor Nürnberg wieder zum Strickzeug und gönnte mir später, als der Speisewagen endlich aufmachte, noch ein Starnberger Helles.

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