Ein Vorteil meiner chaotischen Natur ist ja, dass mich Planänderungen nur selten aus der Ruhe bringen. Dass sich gleich zwei Termine kurzfristigst zu meinem Vorteil ändern, hat aber auch wieder Seltenheitswert. Wobei, der eine hatte sich in Wirklichkeit gar nicht geändert, ich hatte nur aus langjähriger Gewohnheit einen Nachmittagstermin eingetragen, ohne wirklich auf die Einladung zu schauen, die am hellichten Vormittag zum Zusammensein einludt. Der andere rief Samstags zerknirscht an und erklärte, er habe im Kalender die Monate verwechselt. Das schaffte Spielraum. Ohne viel Hoffnung schaute ich nach Quartieren in Gars, weil ich am Sonntag nicht um 6 aus dem Bett kriechen wollte, fand aber tatsächlich eines und machte mich umgehend auf den Weg. Unterwegs wunderbares Wetter mit Alien-Wolken.

Ich erreichte Gars mit den letzten Sonnenstrahlen und hatte Zeit für einen Spaziergang.




Weil der Ort kein großer ist, traf ich dann gleich Menschen, die auch zum morgigen Event angereist waren und tapfer in einem eiskühlen Gastgarten ausharrten. Ich schloss mich für eine Abendjause an.
Der Event am nächsten Tag schloss einen Gottesdienst ein. Ich stellte fest, dass ich den altersmilde als leicht skurriles Schauspiel betrachten konnte, ohne in atheistischen Zorn zu verfallen.
Danach wieder nette Menschen und Kulinarik.
Es wurde sonnig und wieder ziemlich warm. Es ist ja Sonntag, dachte ich plötzlich, nachdem ich mittags den Bus zur Heimreise bestiegen hatte, ich muss mir die vorbeiziehende Landschaft ja gar nicht sehnsuchtsvoll anschauen, ich kann sie ja bewandern! Also kurzerhand in Langenlois ausgestiegen.

Kurz haderte ich mit dem Businessrucksack und den Businesschuhen, aber dann erinnerte ich mich an den versteckten Hüftgurt des Rucksacks – und zog die Schuhe einfach aus.

Falls sich das wandernde Pärchen, mit dem ich mich über den hierzulande (noch) unüblichen Anblick eines Sorghum-Feldes unterhielt, über meine bloßen Füße gewundert hat, haben sie es für sich behalten.

Ich genoss den Blick auf die Landschaft und in die Weite, und als ich dann noch meine Frisur von „Business“ auf „is ma Wuascht“ umstellte, wurde der Tag vollends erfreulich.




Irgendwann wurde ich durstig, der letzte Schluck aus der kleinen Wasserflasche war schon eine Weile her. Am Rande von Hadersdorf winkte zum Glück nicht nur Wasser, sondern ein ganzes tolles Eiscafé. Der Espresso mit außergewöhnlich gutem Vanilleeis weckte Lebensgeister, von denen ich gar nicht wusste, dass ich sie hatte.

Eigentlich, dachte ich danach enthusismiert, könnte ich ja direkt bis nach Krems marschieren, so weit war das ja nicht mehr. Erstmal durch Hadersdorf durch, wo auch wieder Handwerk an den Wänden verewigt ist und der Mühlkamp vor sich hin plätschert.


Danach wieder Weinstöcke. Und Künstler-Wolken.

Von oben und jenseits der Hügel immer wieder das Geräusch der Fallschirmabsetzmaschine. Man könnte ja…, dachte ich kurz, verwarf den Gedanken aber gleich wieder – Nostalgie passte nicht so recht in diesen Tag.

Auf dem weiteren Weg fand ich sogar ein lauschiges Platzerl, wo ich die mittlerweile doch etwas rauchenden Füße in den Kamp halten konnte.

Was ich hingegen nicht fand, war ein Weg nach Krems – also außer an der Autostraße entlang, auf die ich keine Lust hatte. Ich versuchte es sogar mit Kommot und Bergfex, aber überall dort, wo die Apps eine Route sahen, waren entweder Zäune oder ein Feld, das ich den Bauern nicht zertrampeln wollte. Deshalb in Gedersdorf doch wieder in den Zug gestiegen und leicht sonnenglasiert sehr zufrieden mit > 20000 Schritten und diesem Tag.