Buch & Staben

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Im Traum bin ich zum Essen eingeladen, in eine große Villa mitten im Urwald. Das Haus ist ein bisschen heruntergekommen, aber recht charmant, der Garten sonnig, es grünt und blüht. Freundliche Menschen kochen in der Riesenküche, ein Mädchen führt mich durchs Haus. In jedem Raum stehen mehrere Betten. Ob denn wirklich einmal so viele Menschen hier gewohnt haben, frage ich. Sie lacht: Nein, aber man wisse nie, wie viele zu so einem Fest kommen. Es gäbe nichts peinlicheres, als dann für jemanden kein Bett zu haben. Ob wir zu Hause auch solche Feste feiern, fragt sie mich. Ja sage ich, aber dort geht man nachher heim. Sie findet das traurig, und mein Traum wechselt zu einem Fest „in Salzburg“, tatsächlich ist es die Küche vom Haus am Hügel, nur größer. Auf zwei Herden wird gekocht, jemand trägt noch dazu einen Raclettegrill herein. Ich wache ziemlich hungrig auf.

Vor, zwischen und nach der Arbeit viel gelesen, auch so ein zyklisches Ding bei mir, wochenlang liegen Bücher und Zeitschriften auf dem Tisch, Onlineartikel wandern auf den Read-Later-Stapel, dann wieder möchte ich Tag und Nacht nur lesen und mache das, soweit es die Tagesaufgaben zulassen. Derzeit ist es ein Stapel von bisher nur quergelesenen Lyrikquellen, der mich im Bann hält. Nicht sicher, was ich suche in den Fremdgedichten, manchmal finde ich es beinah. Es ist wichtig, den Zeitpunkt zum Absprung nicht zu verpassen, vom Lesen zum Schreiben.

3 Comments

  1. Das mit dem rechtzeitigen Absprung ist ein ambivalentes Thema, dreht es sich doch immer um die Frage, wie sehr man die Originalität des eigenen Ausdrucks erhalten möchte, ohne dabei zu engstirnig zu werden. Aus Furcht, meine Weltsicht in der Vielfalt dort draußen einer unumkehrbaren Verwässerung auszusetzen, habe ich eines Tages faktisch mit dem Lesen aufgehört. Die quantitativ dafür um so mächtigere Konsumation von News und Fachartikeln sollte meiner Wortlust genügen. Nur habe ich parallel dazu auch mit dem Schreiben aufgehört – abseits von News und Fachartikeln. Das eine starb mit dem anderen.

    Daraus habe ich gelernt: Unsere Sprache hat ohne dem Du keinen Sinn. Ohne Interaktion mit anderen zieht sich das Individuum auch sprachlich auf sich selbst zurück und entzieht sich dadurch möglichen Impulsen einer Weiterentwicklung. Das vermittelt vielleicht Stabilität, Sicherheit und Originalität, ist aber verdammt langweilig und einsam.

  2. Das stimmt, ich denke auch, dass input und output sich langfristig die Waage halten müssen. Wobei, eben, langfristig: E$ gibt schon wochenlange Schreibzeiten, andererseits auch wochenlange Lesezeiten. das ist OK, mal ganz in das eigene, dann wieder ganz in fremdes Schaffen einzutauchen.
    Schade um deine Worte! Vielleicht ist es Zeit, die wirklichkeiten wiederzubeleben?

  3. Hach, die Wirklichkeiten … Habe unlängst tatsächlich dort rein geschaut und mich dann doch etwas über das Antville-Layout aus dem Jahr 2001 erschreckt. Andererseits: Wie oft erlebt man es schon in der Welt digitaler Flüchtigkeit, dass man kontrollierend auf ein Stylesheet klickt und daneben der Hinweis auftaucht „zuletzt geändert vor 16 Jahren“.
    Ich wollte es dann doch nicht ändern. Es ist wie ein nicht mehr ganz schönes altes Haus, das irgendwie den Wandel der Zeiten überstanden und sich deshalb ein Recht ersessen hat, in Würde weiter zu altern.
    Was natürlich nicht heißt, dass dort nicht neue Texte und Bilder Platz finden können.
    Mal sehen.

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