20. Juni 2020

Bachmannpreis 2020, Tag 3

Auf geht’s mit Lydia Haider und ihrem großen Gruß. Das provokante Spiel mit Symbolik kennen wir ja schon, das niedliche Tiere umbringen auch. Auf Twitter notiere ich: „Gut berechnete Provokation. Irgendwie ZU gut berechnete Provokation.“
Wilke sieht das ähnlich. Winkels  hab ich überhört. Tingels will vorzeitig eine Erklärung von der Autorin und wird endlich einmal zurückgepfiffen. Kastberger ist verwundert, dass Wilke nichts mit dem Text anfangen kann, und kann selbst auch nichts mit dem Text anfangen. Wiederstein fand beim Lesen nur blutigen Brei, aber beim Vorlesen viel mehr. Rest der Diskussion wegen Telefonat verpasst, interessiert mich aber auch nicht genug zum nachhören. Dann noch ein peinliches Fanclub-Schlusswort der Autorin, Kastberger: Gutes Schlusswort, der Text geht im eigenen Jubel unter.

Laura Freudenthaler beginnt angenehm ruhig nach diesem Klamauk. „Der heißeste Sommer“ ist schweigsam, aber nicht freiwillig, sondern wegen einer Verletzung. Mäuse, Hitze, Dorfleben. Ernteausfälle, Waldbrände, Nahrungsmittelknappheit. Die Mäuse werden vergiftet, und dann wird alles immer finsterer, aber irgendwie auch nicht. Es wäre mir recht, würde die Geschichte weitergehen.
Wilke ist fasziniert, wie unspektakulär Dinge außer Kontrolle geraten. Kastberger erinnert sich an Bachmann und Haushofer und lobt die klaren, deutlichen Sätze. Tingler war begeistert, aber die Begeisterung hat nachgelassen, ihm fehlt der Plot. Die atmosphärische Dichte des Textes hat Winkler erreicht, aber die Bilder verlieren sich, und die Verrätselung ist zu stark. Wiederstein findet den Text sehr plot-orientiert, und zwar zu sehr, der Öko-Terorismus. Tingler unterbricht schon wieder und widerspricht sich dabei. Gomringer sieht das Ich nahe an der Maus. Schwens-Harrant findet viele Ebenen und empfiehlt, den Text mehrfach zu lesen. Kastberger macht einen Ausflug in die Geschichte zum Reichstagsbrand, der eine Hauptlinie der österreichischen Literatur ausmache.

Katja Schönherr liest „Ziva„. Ziva ist das Orang-Utan-Weibchen, das an allem schuld ist. Vor allem offenbar an dieser präzise gemeißelten Beziehungsgeschichte, die mich völlig kalt lässt.
Tingler hat eingeladen und redet trotzdem Unsinn. Winkels analysiert viel tiefer, als der Text meines Erachtens ist. Kastberger sieht eine Allegorie auf den Bewerb selbst und findet den Text gelungen. Ich mag dann auch nicht mehr recht den (Meta)-Diskussionen folgen.

Meral Kureyshi liest „Adam„. Schwieirig. Streckenweise recht wunderbar, streckenweise  gar nicht. Ihr Videoportrait hat mir gut gefallen.
Wilke findet den Text „wie einen schwachen Händedruck“. Auch mit Kastberger passiert in dem Text wenig, sagt er. Schwens-Harrant mag das Museum und bekennt sich zum Feuilleton. Wiederstein liest die drei Männer als Vorstellung. Winkels lobt schöne Sätze. Ich hätte gerne noch ein paar Autoren mit halb ausgetauschter Jury.

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