29. Mai 2026

Am See

Die Veranstaltung beginnt heuer etwas später, und in Kombination mit dem Koralmtunnel spart das die eine Übernachtung am Vortag, was im Arbeitsfluss eine Erleichterung, für das Gefühl aber ein bisschen schade ist.

Leicht besorgt über nur 7 Minuten Umstiegszeit in Klagenfurt. Es wird mit 5 Minuten Verspätung auch knapp, aber in den Anschlusszug zu hüpfen, als die Türen sich gerade schließen, ist irgendwie auch ein Siegesgefühl.

Nach Ankunft und viel Händeschütteln mit netten Menschen, die man zu selten sieht, das obligatorische „Ich bin da“-Foto.

Vergnügt denke ich an das erste Mal, zu Zeiten, als ich noch mehr in Social Media gepostet habe – also auch ein sehr ähnliches Foto wie dieses. Es kamen damals mehrere besorgte Fragen, ob ich denn jetzt unter die Spieler gegangen wäre. Keine Sorge, es sind die Fachvorträge im eleganten aber dunklen Festsaal, die mich hierher locken. Die Stimmung scheint mir trotz der aktuellen Herausforderungen heuer besser als zuletzt, die Haltung entspannter, die Inhalte bunter. Aber vielleicht liegt das alles ja an mir.

Der Tag vergeht im vertrauten Strudel aus Inhalten, Gesprächen und Wiedertreffen, es ist erstaunlich, wie kurz so ein Tag mitsamt seiner Frühabendgeselligkeit sein kann. Dann sehr müde, das Weckerklingeln um 5 Uhr früh tut mir einfach nicht gut. Ein Stück am See entlang, in Richtung der Berge lungert ein Abendrötchen herum.

Velden bleibt sich ähnlich, manche Dinge ändern sich ebenso verlässlich wie andere sich gleichen. Im Keller am Seespitz ist jedesmal ein anderes Lokal, diesmal ist es eine Pizzeria. Am liebsten war mir der Hendlbräter, aber das ist schon viele Jahre her und wäre diesmal mangels freien Abends eh egal. Meine kleine günstige Lieblingspension der ersten paar Jahre, gerade noch drei Sterne, ist wie zuletzt und zu vorletzt mit Brettern vernagelt. Jammerschade.

Mein Zimmer winzig und auch „gerade noch“ 3 Sterne, aber der Ausblick!

Zuerst ist mir sehr heiß, daher das Fenster weit offen gelassen und zum Plätschern der Wellen auf den Bootsbäuchen langsam weggedöst. Auf der Straße wandern Gespräche vorbei, und als ich gegen Mitternacht nochmals aufwache, ist es ziemlich kalt im Zimmer. Fenster zu und gut weitergeschlafen.


Dementsprechend früh bin ich wach. Ich hätte den Badeanzug mitnehmen sollen, denke ich, während ich mit gewohnter Dienstreiseneffektivität mich und das Gepäck fertig mache; ein Viertelstündchen See vor dem Duschen wäre sich gut ausgegegangen. Frühstück hatte ich keines gebucht, aber ein Kaffee wäre doch fein gewesen. Die Ungrazie hinter der Theke des ansonsten leeren Lokals lehnt meine Bitte, die jeiernde Musik zumindest ein bisschen leiser zu machen, schnippisch ab. Na gut, dann halt woanders. Auf dem Weg nach Woanders begegnet mir ein Tagungsteilnehmer mit Handtuch und Badehose. Der war eindeutig besser vorbereitet als ich.

Die Deko heuer ist übrigens transparente Luftballons in Seifenblasenoptik, die Dinger hängen überall.

Ich finde ein perfektes Woanders, und als Frühstück um Frühstück an mir vorbeigetragen wird, kriege ich plötzlich auch Lust, den Kaffee mit Bissfestem zu ergänzen. Zeit ist ja noch.

Auch der zweite Tag ging schneller vorbei als mir lieb war, Inhalte wie Gespräche hätten teilweise deutlich mehr Vertiefung vertragen. Aber so ist das halt, denke ich, und freue mich nach Abschluss auf einen lange gehegten Plan: Die Fähre zurück nach Klagenfurt zu nehmen. Angedacht hatte ich das schon beim allerersten Mal, aber bisher hatte sich noch nie die passende Kombination aus Wetter und Zeitplan ergeben. Heute passt der Zeitplan, und das Wetter könnte besser nicht sein: Sommer in der Sonne, angenehm temperierter Frühling im Schatten. Nix wie aufs Schiff!

Die Fähre zickzackt zwischen Orten, Sehenswürdigkeiten und Stränden kreuz und quer über den Wörthersee. Entzückende, ganz und gar aus der Zeit gefallene Ecken wechseln mit erschreckenden Monsterbauten, aber was bleibt ist der Fahrtwind und die Seeluft.

Als Blasspflanzerl ohne Sonnencreme bleibe ich die meiste Zeit im Schatten, nur die letzte Viertelstunde gönne ich mir das sonnige Oberdeck. Das muss die Haut dann halt auch aushalten.

Die Endstation Klagenfurt ist mit den Bergen (Karawanken?) im Hintergrund noch einmal besonders hübsch. Kann mich am türkisen trinkwassersauberen Wasser kaum sattsehen.

Vom Boot weg folge ich der Masse, ich hatte Verbindungen zum Bahnhof nachgeschlagen, aber in sommerlicher Entspanntheit gar keine Lust, das Fon in die Hand zu nehmen, um dem Plan zu folgen. „Fährt der in Richtung Innenstadt?“ “ fragte ich an der Busstation nur, als der Bus zeitgleich mit meinem Vorbeigehen einfuhr, und die Wartenden bejahten. Fast war ich ein bisschen traurig, als mich der Bus direkt am Bahnhof ausspuckte, ein bisschen Klagenfurtwandern wäre durchaus auch OK gewesen. Stattdessen noch ein Soda Zitron im Bahnhofsrestaurant, während der anvisierte RJX nach und nach Verspätung aufbaute, der See fehlte mir gleich intensiv.

Es wird wohl mein letztes Mal Velden gewesen sein, dachte ich, als ich den langsameren RJ nahm, weil ich nicht mehr am Bahnhof stehen wollte bis der RJX kam; die nächste Veranstaltung findet woanders statt, und falls es in vier Jahren wieder an den Wörthersee geht, was noch gar nicht sicher ist, bin ich schon in Pension. Was für ein Gedanke! Ich könnte mir durchaus vorstellen, zumindest teilweise noch weiterzuarbeiten, aber wer weiß, ob das dann noch jemand von mir will. Eigenartiges Gefühl.


Eigenartig auch, wie wenig hier im Blog von den Vorjahren erhalten ist, es finden sich Einträge zu 2022 (1, 2), gar nix zu 2024 (obwohl ich das Gefühl habe, in dem Jahr etwas ausführliches geschrieben zu haben), davor nur das eine oder andere Foto (2018, 2016, 2014) Durchaus denkbar, dass sich noch ehemalige Einträge in den Ofline-Archiven befinden, aber chronistisch betrachtet ist die Gesamtausbeute dann doch eher schwach.

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