Stürmische Zeiten

Morgens bläst mich der Sturm aus dem Bett. Zum Glück heult er vorwiegend aus dem Kamin und nicht von der baufälligen Fensterfront her. Einmal wach, kann man sich gleich dem Haushalt widmen. Die Nachbarn sind, den Geräuschen nach zu schließen, ähnlich beschäftigt. Trotzdem scheint die Welt seltsam still und leer. Jetzt kommen die Feiertagswochen, die bei schönem Wetter beste Laune machen, bei Regen und Kälte aber nur Melancholie.

Es gilt ein paar Mails zu schreiben und ein paar Archive zu sortieren. fest entschlossen, die Schrittanzahl wieder auf einen gesunden Durchschnitt zu bringen, mache ich mich nach Nachlassen des schlimmsten Sturms gleich auf den Weg. Es bleibt aber kühl und unangenehm böig, und zu mehr als 10500 Schritten kann ich mich nicht motivieren.

Das Projekt mit meiner momentanen Lieblingswolle (rechts) wieder aufgetrennt, zum einen hab ich etwas zu dünne Nadeln genommen und das Gestrick ist zu fest, zum anderen scheint mir das rustikale Muster nicht so ganz zur zarten Wolle zu passen. Hätte gute Lust, gleich was Neues, Luftigeres mit dem gleichen Garn anzufangen, aber ich konnte mich stattdessen glatt dazu überreden, die Fertigstellung der Frühlings-Tunika anzugehen. Der Kragen passt schon einmal (siehe Beitragsbild), die Ärmel werden sicher auch noch. Irgendwann.

Das Bier des Tages

Talusoterapia von Cierzo Brewing ist ein Hazy IPA. In der Nase sanftmütiger dunkler Hopfen, der sich am Gaumen wiederfindet und aufs erste wunderbar mit der Hefe zusammenspielt. Das Hopfenaroma ist nadelwaldig und ein bisschen fremdartig. Das macht mich neugierig, und laut Zutatenliste ist hier tatsächlich eine neue Hopfensorte am Start: Talus. Die Bierbeschreibung nennt den Nadelwaldanklang „Kiefer“, mich erinnert er eher an das Fichtennadelschaumbad meiner Großmutter, was auch die Badewanne am Etikett erklären würde. Der durchaus feine Zitrusduft geht geschmacklich leider fast völlig in der Hefe unter, die von Schluck zu Schluck dominanter wird. Im Abgang eher langweiliges Malz.

Zu trinken zur Nervenberuhigung, wenn man nach einem langen, anstrengenden Tag endlich die Wohnungstür hinter sich zumachen und die Außenwelt vorübergehend vergessen kann; alternativ auch gerne in einer altmodischen Badewanne.

Bier-Übersicht

Wundersam fand ich die Leserinnenfrage nach frischen kulinarischen Abenteuern, das Essen ist nach wie vor das Langweiligste an mir. Dazu fiel mir aber ein, dass ich, als vor zwei Wochen der Schnupfen an mir rüttelte und ich befürchtete, es könnte das große C sein, als erstes das feine Dry Aged Steak aus dem Gefrierfach genommen habe. Wär ja schad drum gewesen, wenn sich der Geschmackssinn verabschiedet. Es gelang mir sogar mit meinem alten Herd, genau den Punkt zwischen raw und medium zu treffen, den ich am liebsten mag. Dazu gab es Gemüsepfanne, die hätte man aber auch weglassen können. 🙂

Heute gab’s Moussaka an die Tür geliefert. Kein Abenteuer, den Wirt kannte ich schon.

Im Zentrum zu Corona und Gesellschaft großteils recht interessant, nur der FPÖ-Sprech von Belakowitsch trübt die kollektive Intelligenz. Danach eine Doku über Roboter und künstliche Intelligenz, ich finde das gleichzeitig faszinierend und scary. Bin ich jetzt in dem Alter, in dem man neue Technologie skeptisch betrachtet, oder … ?

Ich denke, es ist vor allem die dienstbeflissene Unterwürfigkeit, die mich abstößt. Mit einem Urwiener Grantroboter würde ich viel besser klarkommen. (Wobei, der widersprechende Kleinkind-Roboter war auch gruselig. Ich weiß einfach nicht recht.)

Ein schneller Weg, Krebs loszuwerden, ist die ganze Menschheit auszulöschen.

Indeed.

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