Das Sein und die Zeit

Schlafe bis neun und bin irritiert von dem Gefühl, lange geschlafen zu haben. Lange geschlafen heißt Frühstück zu Mittag,`wo soll das sonst noch enden? – Überhaupt lassen mich die Gedanken an die Zeit nicht los, x Jahre seit, y Jahre bis, nichts davon fühlt sich gut an. Der Standard erzählt dazu noch etwas vom Ticken der Uhr.

Punktuell gearbeitet, ein bisschen hier, ein bisschen da, mehr um nachzuspüren, wo etwas Gutes rauskommt, als um wirklich etwas weiterzubringen.

Am Nachmittag eine große Runde durch Meidling und Favoriten. Der Bezirk, der laut ÖVP an so ungefähr allem schuld sein soll, gibt sich friedlich und harmlos. Der zwölfte sowieso. Eine ganze lange Straße zwischen den Epochen, altgewordene Gemeindebauten links, Büro- und Wohntürme aus den 2000ern rechts. Besonders schön der Kontrast zwischen dem Hochglanz-Microsoft-Gebäude und, genau gegenüber, der kleinen staubigen Bude mit dem Schild „PC + Handy“ über der Tür, in dessen Auslage Telefone aus den 90ern liegen.

Frauen mit und ohne Kopftuch tragen riesige Einkaufstaschen heim, Männer mit und ohne Akzent stehen vor Haustüren und rauchen, Jugendliche beiderlei Geschlechts spielen einander Songs und Videos vor und lachen viel dabei.

Ich gehe quer durch die Gärten einer Wohnanlage, wo es plötzlich sehr still ist, auch die Straßen auf der anderen Seite liegen verlassen. Erst an der Tankstelle wieder etwas Betrieb. Aus einem uralten Ford mit beschlagenen Scheiben dröhnt bassig Bon Jovi.

Plotzliche Sehnsucht nach den 90ern und den verrauchten Kellerlokalen, in denen eine Schmalzballade nach der anderen lief, zu billigem Rotwein, denn anderen gab es dort nie.

Dann wieder stille Gassen. Ein Vater mit einem Kind an der Hand und einem Pizzakarton in der anderen. Eine alte Frau mit schäbigem Mantel, aber höchst elegantem Blumenhut. Jemand hat seinen Fussballverein an die Wand gesprüht, jemand anders die Schrift mit anderer Farbe durchgestrichen. Es ist kühler als zuletzt, ich sollte Handschuhe einstecken.

16000 Schritte, 11,7 Kilometer.

Das Bier des Tages

The Haze out of Space von Bevog aus der „Who Cares“-Edition klassifiziert sich als „Double Dry-Hopped Hazy IPA“. Im Antrunk Hopfen und Zitrus, dann weichere Fruchtnoten. Spritzige Kohlensäure. Der unverhohlen bittere Hopfen eingehüllt in etwas wie Mango, Pfirsich vielleicht? – Vielschichtig und dennoch richtig süffig.

Zu trinken an einem nicht zu heißen Sommertag an der Theke einer Beach-Bar, wenn man den Badeanzug zum Schwimmen vergessen hat.

Steak mit Gemüse zum Abendessen. Etwas zu durch, auf die Temperatureinstellung meines Ofens ist einfach kein Verlass.

Dann ein Landkrimi zum Strickzeug, eigentlich ein Wiener Film Noir, bei dem zur generellen Aussichtsslosigkeit noch die spezielle Wiener Resignation dazukommt. So muss es sein.

Lese auf Twitter, dass ZiB2 erzählt hat, dass die Impfpläne eher planlos sind und dass die Sektionschefin für öffentliche Gesundheit im Interview der Planlosigkeit noch ein Häubchen aufgesetzt hat. In der Tat. Wundert mich nicht. Mich wundert, dass sich noch jemand wundert.

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