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Monolog

 

Ich habe aufgehört, mir Gedanken zu machen, sagte sie. Wozu auch? Wenn du nicht mehr glaubst, etwas verändern zu können, wozu dann darüber nachdenken? Da ist es schon besser, im Gras zu sitzen und in die Sonne zu blinzeln. Sie liess sich mit dem Sessel zurückkippen und wippte. Wie wir es damals in der Schule getan hatten. Sie schaute in den Himmel, obwohl da keine Sonne mehr war.

Ich sagte nichts.

Man wird so müde, sagte sie, sie saß jetzt wieder normal und nahm einen großen Schluck aus dem Bierglas. Ich will nicht mehr kämpfen, ich will Spass haben. Das habe ich mir verdient. Sie lachte dieses Lachen, das mir immer fehlt, wenn ich sie eine Zeitlang nicht sehe. Saufen will ich und tanzen und mit den feschen Kerls ins Bett gehen. Sie lachte wieder und zündete sich eine Zigarette an.

Ich sagte nichts.

Die Welt retten, sagte sie. Glaubst du, die Welt hat es verdient, gerettet zu werden? Glaubst du, irgendjemand wird uns dankbar sein für alles, was wir zu tun versucht haben? Die Welt will nicht gerettet werden, sie will untergehen.

Ich sagte nichts.

Vielleicht hätte ich ein Kind kriegen sollen, sagte sie, solange noch ein geeigneter Vater aufzutreiben war. Die Kerle heute sind doch alle kaputt. Können nicht umgehen mit freien, starken Frauen. Das macht sie krank. Schade eigentlich. Wenn ich ein Kind hätte, sagte sie, wäre ich wahrscheinlich auch nicht glücklicher, aber vielleicht wäre ich zufrieden.

Ich sagte nichts.

Was, so spät schon? sagte sie. Höchste Zeit zum Heimgehen. Morgen ist wieder ein harter Tag. Büro, Friseur und Fitnessstudio. Wozu ich das tue, frage ich mich. Die Typen tragen doch alle ihren Spitzbauch vor sich her. Wozu soll ich aussehen wie ein Model, wenn meine temporäre andere Hälfte überhaupt nicht dazupasst?

Ich sagte nichts. Wir zahlten.

War nett, mit dir zu plaudern, sagte sie. Das sollten wir bald wieder einmal machen.

Ja, das sollten wir, sagte ich.

 

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