Maximal digital

Es war ein veritables Fest gestern, ein Freundes-70er wurde im kleinen Kreis kommunikativ wie kulinarisch wertvoll gefeiert. Der nächtliche Heimweg entspannt, das Hexenhöhlchen schon vor Mitternacht geradlinig erreicht. Man sollte also meinen, der nächste Tag wäre ein frischer, aber seltsame Träume wecken mich mehrfach. Einmal eine Art Formel-1-Kurs, Stimmung kurz vor dem Start, noch bevor die Betreuer die Fahrbahn verlassen, wirft eine Art Turbo-Erdbeben den Boden in wilden Wellen auf. Ein andermal Party-Stimmung, bis der Sektkellner mit einem roten Fleck am Hals zusammenbricht. Ich will hinlaufen, sehe aber, dass eine altbekannte Fallschirm-Notärztin schon auf dem Weg ist, und drehe mich zu einem anderen Gespräch um. Als ich wieder hinschaue, ist der Kellner blutüberströmt und tot, überall in ihm stecken Messer und Spieße. Er war corona-positiv und wollte alle anderen absichtlich anstecken, erklärt mir ein anderer Gast, als hätte das schon seine Richtigkeit.

Das macht mich ein bisschen schlaflos um 4 Uhr früh, gegen halb 5 dazu noch schabende Geräusche aus der Nachbarwohnung. Ich seufze ein bisschen in den diesigen Morgen hinaus, schlafe aber dann doch noch ein paar Stunden. Als ich aufwache, ist es höchste Zeit für den Weg zum Bezirksamt, ich habe einen Termin für die Austria-ID. Die Dame hinter dem Schalter kann sich nicht erklären, wie ich ohne Handysignatur die Vorregistrierung abschließen konnte, aber gemeinsam folgen wir den weiteren Anweisungen am Bildschirm, und siehe da, alles funktioniert. Als noch digitalere Bürgerin verlasse ich also das Amt, um meiner ebenfalls digitalen Arbeit nachzugehen.

Der fehlende Nachtschlaf macht sich bald bemerkbar, ich nehme den restlichen Tag ruhig und methodisch. Diverse Freundschaftskommunikationen, die voller innerer und äußerer Verletzungen sind. Ich hole mir statt der geplanten Gemüsekocherei eine Leberkässemmel und greife schon am späten Nachmittag zum Strickzeug. Manche Tage muss man einfach in Ruhe lassen, bevor sie bissig werden.

Das Bier des Tages

Das Soup IPA aus der spanischen Garage Beer Co. gibt sich in der Nase zitronig und hefig. Auf der Zunge feinperlige, sämige Kohlensäure und ein fruchtiger Auftakt. Sehr fülliger, weicher Geschmack, zitronig, Pfirsichanklänge, der (edle!) Hopfen hält sich dezent im Hintergrund. Ein großartiges Bier für alle, die es sanft und weich mögen, aber gerade deshalb nicht meins.

Zu trinken im Bett eines Wohnmobils in der Dämmerung, mit Blick auf ein kleines, unbewegtes Gewässer.


Bier-Übersicht

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