Frühling, wundersam

Genaugenommen ist es mehr als wundersam: Fiel mir in den letzten Tagen der Vollendung des ersten Jahres-Großprojekts das Aufstehen zunehmend schwer, bin ich heute nach dessen Abschluss schon um 8 Uhr hellwach und motiviert. Daraus könnte man natürlich auch Schlüsse ziehen, die lasse ich aber erstmal bleiben und kümmere mich um die Nachsorge dessen, was im Sog der letzten Tage liegengeblieben ist.

Schon mittags befällt mich die Sehnsucht nach einer Stadtrunde, ein bisschen widerstehe ich noch, auch der Haushalt hat unter der Produktionsphase gelitten. Bald aber komme ich zu der Erkenntnis, dass diese Arbeit nicht davonläuft, und lasse mich für heute frei. Bin aber unschlüssig, was ich eigentlich will, wandern? bummeln? einkaufen?

Ein Weilchen mäandere ich durch den 4. und 5., froh darüber, dass die Geschäfte wieder offen sind. Wirklich kaufen will ich ja nichts, aber es ist angenehmer zu denken „will ich nicht“, „brauch ich nicht“, „muss ich nicht haben“, als diese Entscheidungsfreiheit nicht zu haben. (Ja, ich bin seltsam, das habe ich aber auch schon mehrfach zugegeben.)

Ich wundere mich ein bisschen über den durch und durch belebten Karlsplatz, irgendwelche Beschränkungen würde man angesichts der Menschenmassen hier nicht vermuten. Zudem eine Klimademo, in rührendem 70er-Jahre-Stil aber mit gar nicht schlechter Musik. Ich hole mir etwas kontra-klimatisch einen Kaffee im Einwegbecher und finde schließlich ein einsames Bankerl, was gar nicht so leicht ist.

Hecken-Graffiti? Ist das jetzt in?

Amüsiere mich vielleicht ein bisschen zu sehr über den hypercoolen Youngster, der beim bemühten Vorbeistolzieren an einer Mädchengruppe über seine Schnürsenkel stolpert. Lasse mich von einem Telefonat kaum in meinem Wochenendmodus beeinträchtigen.

Um die Ecke lauert der intensivste „lovely-ugly-vienna“-Eindruck seit langem.

„Endlich allein“ 👀

Die Prinz-Eugen-Straße hinauf, es botschaftsviertelt ordentlich.

Den Bahnhof von der Maschek-Seite erreicht, die Sache mit dem Licht und den Linien wird mir wohl nicht so schnell langweilig.

Irgendwie Lust, noch weiter zu latschen, aber es lauert ein Mini-Online-Termin, also nach Hause zurückgekehrt.

Auf den quasi vorletzten Heimwegmetern noch eine neue Konditorei im Grätzl entdeckt, das Wochenende wird süß. Das Orangentorterl ist schon weg, Empfehlung!

tortenundcupcakes.at

Das Bier des Tages

Das Degrees DIPA aus der Verdant Brewing Co duftet zitro-hopfig und hält dieses Versprechen im Antrunk gut, frisch und frühlingshaft. Dahinter zeigt sich eine weiche, angenehme Hefe, die die Säuerlichkeit zärtlich unterstützt und einen fein cremigen Eindruck hinterlässt. Im Weiterkosten zunehmend exotische Noten, gar ein Hauch von Ananas. Im Gegensatz zu anderen als „exotisch“ beschriebenen Bieren stört (mich) die Fruchtigkeit hier nicht, sie geht eine innige und gelungene Verbindung mit den ausgesprochen eleganten Hopfennoten ein.

Zu trinken in der Dämmerung kurz nach Sonnenuntergang, auf einem Bankerl mit Blick auf ein amateurhaft organisiertes Freiluft-Liedermaching-Konzert.

Ideen und Pläne. Auf meinem Weg durch die Bierlandschaft wird es langsam Zeit, sich mit unterschiedlichen Hopfensorten zu beschäftigen. Für den Sommer denke ich an Wanderungen außerhalb der Stadt, ich hab das Gefühl, ein Zelt muss her. Derweil lässt sich das alles noch entspannt denken, die Zeit drängt nicht.

Zum Abendessen gibt es Spinat mit Spiegelei, viel zu lange nicht gehabt. Dann aus nostalgischen Gründen Starmania 2021 verfolgt, lässt sich etwas zäh an. Mal sehen, wie es weitergeht.

Zum Schluss noch die letzten zwei Folgen von The Crossing verstrickt. Verdammt, wo sind die nächsten 5 Seasons?

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