Feiertags-Ennui

Morgens ausgiebig gefrühstückt, dennoch unlustig. Henna in die Haare. Derweil etwas Haushalt, etwas gestrickt. Am späteren Nachmittag los zur Schritterunde. Es ist in der Sonne zu warm und im Schatten zu kalt, aber alle paar Schritte die Jacke an- und auszuziehen ist auch nicht das Wahre. Ich ignoriere das Wetter, wie auch meine Waden, die lieber zurück auf’s Sofa möchten, und latsche westlich über den Gürtel. „Wohnen seit 1919“ klingt auch irgendwie seltsam.

Der 12. gibt in dieser Gegend nicht viel fotogenes her, was mir auch recht ist, die Hände bleiben in den Taschen. Reise-Bilder im Kopf, es ist schon eigen: Nicht die schönen Plätzchen oder die fotografierten tauchen da auf, sondern ein Supermarktparkplatz in gleißender Sonne, oder ein verlassener Bahnsteig im aufziehenden Gewitter, eine Straße, die kein Ende nehmen will. Und die Gefühle dazu. Die aktuelle Straße, derweil, verspricht Bedrohliches.

Jenseits der Meidlinger Hauptstraße finde ich noch nie begangene Gegenden. Häuser mit Gärten und Balkonen, eine Straße, die gnadenlos bergauf führt und nicht dort endet, wo mein innerer Stadtplan gedacht hätte, dass sie es tut. Die Architektur ist eigen, fast fremdländisch die Wandbilder sind mystisch.

Bald darauf finde ich doch den aus Klogründen angesteuerten Bahnhof Meidling. Und davor diese politische Unmutsäußerung.

Überlege tatsächlich, die Straßenbahn nach Hause zu nehmen, aber das lässt sich mit viel Wandersturheit gerade noch abwenden, obwohl der Wind und die einfallende Kühle dafür gesprochen hätten. Im 12. lache ich noch über selige Affen, im 5. finde ich musikalische Wände, die mir bisher entgangen waren.

14500 Schritte.

Das Bier des Tages

Das Red IPA von Browar Stu Mostow duftet hefig und dunkelhopfig. Im Antrunk frischperlig mit hefig-grapefruitiger Note, die in ein schönes, volles Hopfenaroma mündet. Sehr süffig und frühlingsfrisch, das trockene Finish ruft immer gleich nach dem nächsten Schluck. Beim Weiterkosten schleicht sich zunehmend ein zartes Malzaroma ein, nur angedeutet rauchig, aber dennoch nicht zu lieblich. Sehr stimmig in sich, dabei nicht zu intensiv, sodass man es auch zum Essen genießen könnte.

Zu trinken in der Fussgängerzone einer Kleinstadt, während sich an der Ecke ein lokaler Straßenmusiker redlich bemüht, den Bob Dylan zu geben.


Bier-Übersicht

Dem Rind hatte ich mich tagsüber nicht zugewandt, es ist einfach zu ungewohnt, vor dem Abend zu kochen. Ich ändere den Plan und mache es als Ofenpfanne mit Erdäpfeln und Gemüse, das geht auch im Halbdunkel. Ausgesprochen köstlich. Als es fertig ist, vergesse ich vor lauter Hunger, ein Foto zu machen.

Nach langem wieder Cities Skylines angeworfen, bin eigentlich ganz zufrieden mit meiner Stadt, die letzten Herbst entstanden ist, da kommt ein Erdbeben. Ich hätte Random Desasters abdrehen sollen, denke ich grummelnd und ziehe mich zum Strickzeug zurück, erinnere mich daran, dass ich das Weltjournal noch nachschauen wollte. Schon erstaunlich, der Bericht über die großen Schifffahrtsunternehmen.

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